Große Enttäuschung - Unfallflugzeug gekauft
Anfang 2019 beschloss ich einen eigenen Flieger zu erwerben, um im Ruhestand meine Freizeit genießen zu können. Als Fluganfänger sollte der Flieger im Budget liegen, unfallfrei sein und ein Deutscher Musterbetreuer greifbar sein.
Bald fand ich auf Flugzeugmarkt.de ein lukratives Online-Angebot, das meinem Anforderungsprofil entsprach: Eine Zodiac 601D, preislich im Budget, explizit als “unfallfrei” beworben und dem Beschreibungstext war zu entnehmen, dass es sich bei dem Flieger offensichtlich um ein Top-Angebot handelte, welches zu meiner großen Freude auch noch beim Nachbarverein beheimatet war. Den Anbieter kannte ich persönlich aber nicht.
Schnell wurde ein Besichtigungstermin vereinbart und es kam zum Kaufabschluss mit anschließender Überführung.
Mit meinem Fluglehrer hatte ich einige Einweisungsflüge vereinbart. Bereits beim ersten Testflug hatte er erhebliche Bedenken und bat mich den Flieger technisch genau überprüfen zu lassen, bevor ich selber damit starte.
Ich recherchierte daraufhin im Internet und stieß erst nach langer intensiver Suche auf nachstehenden einen Unfallbericht.
https://aviation-safety.net/wikibase/144600
Weitere Recherchen ergaben u. a., dass bei der missglückten Landung alle drei Fahrwerke abgerissen wurden, dabei das rechte Hauptfahrwerk gegen das Höhenruder schlug und dieses massiv beschädigte. Außerdem wurde der Propeller beschädigt und bei der Notlandung auf den Fahrwerksrohren brachen die Einstiegshilfen ab, woraus man schließen kann, dass massive Kräfte auch den Rumpf des Ganzmetall-Fliegers gewirkt haben müssen.
Ich konfrontierte daraufhin per Mail den “Fliegerkollegen” mit meinen Erkenntnissen. Leider fehlte jede Einsicht, denn schließlich sei ja alles repariert worden.
Ich hatte jegliches Vertrauen in die Maschine und den Verkäufer verloren. Deshalb erklärte ich per Einschreiben mit Fristsetzung meinen Rücktritt vom Kaufvertrag - erhielt aber nicht einmal eine Antwort.
Nach Fristablauf beauftragte ich meine Kanzlei mit der Wahrnehmung meiner Interessen - leider auch diesmal ohne Erfolg.
Also blieb mir nur noch der Klageweg.
Für Februar 2020, ein Jahr nach dem Kauf, wurde vom Landgericht ein “Gütetermin” anberaumt, in dem nun plötzlich die Ehefrau des Verkäufers als Zeugin dafür auftritt, dass ihr Ehemann mich vor dem Verkauf umfassend über den Unfall informiert hat. Ob sie tatsächlich zu einer Falschaussage bereit ist, wird sich dann vor Gericht zeigen.
Meine Anwältin hatte dem Verkäufer bereits rechtliche Konsequenz in Aussicht gestellt, da nach ihrer Auffassung hier der Tatbestand des Betruges erfüllt ist. Aber das scheint ihn nicht zu beeindrucken, obwohl dann auch Dritte, die offensichtlich in die Vertuschung des Unfalls involviert, ebenfalls ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten werden.
Ich möchte ja nicht das ganz große Rad drehen, aber der Typ lässt mir keine andere Wahl.
Die Maschine steht seit dem Testflug im Juni 2019 ungenutzt bei uns im Hangar. Zur Fliegerei gehört für mich Vertrauen in Mensch und Technik. Dieses Vertrauen ist dahin und mir ist der Spaß an der Fliegerei erstmal gründlich vergangen.
Ich habe gelernt, dass man auch einem Fliegerkollegen nicht blind vertrauen darf, denn bekanntlich hört ja beim Geld die Freundschaft auf.
Also Vorsicht beim Flugzeugkauf!