Eine Stall-Warnung passt meiner Meinung nach eher zu IFR-Bedingungen. Wenn man das Thema aber wirklich beherrschen will, hilft nur regelmäßiges Training des Strömungsabrissverhaltens und allem, was damit verbunden ist (Erkennen, reagieren und als Folge letztlich gar nicht erst dazu kommen lassen). Nur wenn das in Fleisch und Blut übergegangen ist, kann es im Ernstfall entsprechend konsequent abgerufen werden. Das ist aber leider nicht jedermanns Geschmack. "Abgeschmiert aus niedriger Höhe" ist deshalb nach wie vor die häufigste und in den allermeisten Fällen vermeidbare Unfallursache, nicht nur bei UL. Typischerweise kommt′s dazu, wenn es in der Platzrunde eng wird, sei es durch Motorprobleme oder schlechte Einteilung. Sobald die Panik steigt und man abgelenkt ist, kann man diese Flugzustände nur noch intuitiv meistern und dazu gehören eben mehr als die drei in der Theorie auswendig gelernten Phrasen und die endlich hinter sich gebrachten minimalistischen Stall-Übungen in der Schulung.
Wie 924driver schon gesagt hat, gibt es mehrere Warnungen für den bevorstehenden Abriss, die aber oft übersehen werden. Eine der einfachsten ist, dass der Strömungsabriss unabhängig von der Geschwindigkeit immer in etwa bei der gleichen Knüppelstellung passiert. Wenn man den Knüppel also schon fast bis zum Bauch ziehen muss, damit die Nase da bleibt, wo man sie gerne hätte, dann müssten schon längst alle Alarmglocken im Kopf klingeln.
Was ca-max geschrieben hat, haben genügend Piloten nach ihrer Ausbildung schnell wieder vergessen und man glaubt an die eine im Fahrtmesser verewigte "Strömungsabrissgeschwindigkeit" und dass ja nix passieren kann, solage man drüber bleibt...
Eine Stall-Warnung kann meiner Meinung nach aber gerade für Anfänger und ungeübte Piloten eine nützliche Hilfe sein, um sie rechtzeitig aus ihrem Schlaf zu reißen. Das sollte aber auch als Krücke betrachtet werden, nicht als essentielle Flugunterstützung.