Tragschrauber bzw. Gyrocopter

Forum - Allgemeines & Aktuelles




  • Guten Tag an die UL-Gemeinde,



    gibt es hier im Forum denn auch Tragschrauber-  bzw. Gyrocopterfans. Würde mich sehr freuen,
    mit denen ein bisschen über dieses Fluggerät zu plaudern oder besser gesagt Informationen
    zu bekommen.



    Derzeit bin ich Fußgänger und überlege mir gerade einen
    UL-Schein zu machen. Da ich großer Helifan bin, mir aber diese Ausbildung und
    das Fluggerät nicht leisten kann, möchte ich diesen Weg einschlagen und eine
    Tragschrauberpilotenausbildung beginnen. 

    Schöne Grüsse aus dem Altmühltal

    Markus

  • Dann schiess mal los. Fragen sind herzlich willkommen. Bin zwar kein Tragschrauber-Führer, aber kann Dir sicherlich einiges darüber erzählen...




  • Hallo Sukram,



    also als erstes würde mich natürlich interessieren, was ein
    Gyrocopter denn für Kosten verursacht (Versicherung, Steuern,
    Wartungsintervalle, Start-/Landegebühr), kann ich denn mit dem Gyrocopter auf
    jedem UL-Platz landen?



    Ist es sinnvoller einen normalen UL-Schein oder PPL oder SPL
    zu machen und dann den Gyrocopterschein darauf aufbauen oder umgekehrt?



    Wo kann ich denn Lektüre und Prüfungsunterlagen bekommen?



    Sorry, Sukram, wenn die Fragen ein bisschen einfach oder
    dumm klingen, aber ich bin Fussgänger und habe keinerlei Flugerfahrung.



    Herzlichen Dank im Voraus.



    Markus

  • @markus769:

    Zu den Fragen kann ich leider auch nichts sagen, da ich von Gyros leider überhaupt keine Ahnung habe. Aber zu diesem (Sorry, Sukram, wenn die Fragen ein bisschen einfach oder
    dumm klingen, aber ich bin Fussgänger und habe keinerlei Flugerfahrung.) muss ich etwas sagen: Die Fragen sind kein bisschen dumm oder einfach. Jeder der mit UL-Fliegen angefangen hat, hatte ungefähr dieselben Fragen. Das ist ganz normal und kein bisschen dumm :)
  • Alsoooo....

    die Kosten halten sich bei einem Gyrocopter in ähnlichen Grenzen wie die bei einem Dreiachser. Es verhält sich folgendermaßen:

    Versicherung:
    Je nach Anbieter und Art zahlt man zwischen 180 Euro (nur Haftpflicht) und 750 Euro für die empfohlene sog. CSL Versicherung (kombinierte Halter- und Passagierhaftpflichtversicherung) im Jahr. Das ganze kann man natürlich je nach eigenem "Geschmack", Risiko und Vorhaben z.B. mit einer Vollkasko weiter ausbauen. Möchtest Du Dein Fluggerät z.B. gewerblich verchartern, ist eine Vollkasko-Versicherung zu empfehlen. Für Letztere, also die Vollkasko blättert man je nach Wert des Fluggeräts zwischen 6.000 und 10.000 Euro auf den Tisch. Ich kenne nur einige wenige Halter, die das machen. Daher auch die große Spanne. Hier sollte man sicherlich mal mit einem Unternehmen für Luftfahrtversicherungen sprechen.

    Steuern:
    Da ist noch keiner drauf gekommen :)

    Wartungsintervalle:
    Es gibt da so einige Kontrollen, die man machen sollte. Da wäre zum einen die 25 Stunden Kontrolle, die 100 Stunden Kontrolle und die jährlichen Nachprüfungen. Hier ist es immer Sache des gewählten Betriebs (Preisgestaltung) und natürlich auch die Anzahl bzw. Schwere möglicher Defekte, die repariert werden müssten. Bei einer solchen Kontrolle blättert man zwischen 150 und 500 Euro, wobei die obere Grenze eigentlich als offen zu verstehen ist, hin. Bei der Jahresnachprüfung fallen zwischen 100 und 200 Euro an.

    Daneben muss in regelmäßigen Intervallen auch der Schirm neu gepackt werden (ich glaub alle 5 Jahre), was mit ca. 1.000 Euro zu Buche schlägt. Weiter hat das Rettungsgerät bzw. viel mehr der Treibsatz der Rakete ein Ablaufdatum. Das heißt, dass das Ding nach einem Intervall von ca. 10 - 15 Jahren ausgetauscht werden müssen (Ich bin mir hier jedoch nicht sicher, da meine Überlegungen dazu schon weit zurückliegen vielleicht kann das jemand berichtigen bzw. vervollständigen).

    Nicht nur die Rakete, auch der Motor hat eine Art "Ablaufdatum", die sogenannte TBO (Time between overhauls). Die neuen Rotax Motoren werden mit einer TBO von 2.000 Stunden (ältere Motoren 1.500 Stunden) ausgeliefert. Das heißt, dass man den motor im Falle des gewerblichen Betriebs nach 2.000 Betriebsstunden zur Komplettüberholung schicken muss. Man munkelt, dass das ca. 8.000 Euro kosten soll (+- 2.000 Euro Spielraum). Erfahrungsgemäß hat man diesen Punkt nach gut 10-15 Jahren, mit der neuen TBO vielleicht nach 15-20 Jahren erreicht.

    Start- und Landegebühren:
    Die Start- und Landegebühren der Flugplätze findest Du hier bei ulForuml.de im entsprechenden Flugplatzprofil. Für EDLO (Oerlinghausen) sind das z.B. 4,00 Euro. Einfach auf den Reiter "Daten" klicken. Da steht es im unteren Drittel. Startgebühren gibt es nicht. Das heißt, dass der Start quasi kostenlos ist. Aber man weiß als Flugplatzbetreiber ja, dass die meisten auch irgendwann wieder runter wollen/müssen. Es gibt auch einige wenige Flugplätze, die keine Landegebühr fordern oder das ganze in Kisten Bier verrechnen. Hierbei handelt es sich aber meist um private Plätze.

    SPL oder PPL:
    Erstmal vorweg: Der UL-Schein heißt SPL oder auch Sport Pilot License. Ich empfehle eigentlich immer den Weg erstmal den SPL zu machen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass einem das völlig ausreicht und man gar nicht mit 3-fachem Gewicht 3 mal so viel Sprit verbrauchen will. Der Nachteil am UL Fliegen ist natürlich die Gewichtsbeschränkung auf max. 472,5 kg Abfluggewicht und dass man nur einen Passagier mitnehmen kann. Aber es besteht die Möglichkeit, für den Fall, dass man mehr wiegen will oder mehr Passieren durch die Gegend kutschieren möchte, günstig umzuschulen. Vom SPL auf den nationalen PPL brauchst Du als SPL Inhaber z.B. nur rund 1.500 bis 2.000 Euro investieren. Der SPL hat meiner Ansicht nach den vollen Kostenvorteil (ca. 5.000 Euro für Ausbildung inkl. Passagierberechtigung) und ist darüber hinaus flexibel genug um darauf aufbauen zu können. Siehe z.B. SPL auf PPL-N, PPL-N auf CR2000kg, PPL-N auf JAR-FCL PPL. Es geht natürlich auch direkt von SPL nach JAR-FCL PPL. Ganz wie man möchte...

    Lehrmaterial und Lehrbücher:
    Fachbücher und Literatur findest Du hier. In den meisten Flugschulen wird unverständlicherweise mit dem Buch Ultraleichtfliegen geschult. Das Buch ist meines Erachtens nach längst überholt und nicht besonders gut und behandelt die wichtigsten Themen (z.B. Meteorologie) meist nur oberflächlich. Ich empfehle Dir das Buch Motorflug-Kompakt. Da hast Du zwar einen Batzen Theorie mehr, aber dafür professionell. Meistens wird die Wahl des Buchs jedoch von der Flugschule getroffen, da man i.d.R. mit der Theorieausbildungspauschale auch ein passendes Lehrmaterialpaket erwirbt.

    Prüfungkatalog:
    Den Fragenkatalog gibt es bei den Verbänden (DULV oder DAeC) zu erwerben. Wenn Du mal reinschnuppern willst, schau mal hier im ulForum.de im Fragenkatalog (UL/SPL) nach. Der ist zwar inoffiziell, aber modern :)

    Hoffe geholfen zu haben :) Weitere Fragen beantworte ich Dir gerne...
  • Wer eh ausschließlich Gyrocopter fliegen möchte, fährt besser mit der direkten SPL-Ausbildung.

    Der PPL-A N lohnt sich nur, wenn man auch Flächenflugzeuge fliegen will. Und der PPL-H ist bekanntlich ein wenig zu teuer...
  • Hai Markus,

    auch ich bin neu hier und ebenfalls noch Fußgänger. Das heisst, dass ich grundsätzlich ähnliche Überlegungen anstelle wie Du.

    Zum Thema Gyrocopter wäre es interessant zu wissen, wo man so ein Ding mit fertiger Lizenz in der Tasche auch mal chartern kann. Ich habe bisher kaum etwas unter 60.000 Euro Anschaffungspries entdeckt. Das ist für einen Anfänger, der jetzt hochbegeistert und vollmotiviert ist, eine stolze Kapitalanlage. Zumal ich, so wie Du nach den Kosten fragend, erkannt habe, dass ein eigenes Fluggerät die Kosten erstmal erhöht. Erst Vielflieger und Haltergemeinschaften scheinen vom Eigentum zu profitieren (zumindest im großen und ganzen).

    Ein Kostenpunkt fällt mir noch ein, sorry falls ich den übersehen habe: Die Amortisation des Fluggerätes. Je nachdem wie lange Du die Amortisationszeit wählst, muss Du auf deinen Flugstundenpreis noch ordentlich was aufschlagen.
    Beispiel: Gyrpcopter für 70.000, Amortisationszeit 10 Jahre
    Daraus folgt: 7.000 pro Jahr um die Anschaffung des Gyros wieder auszugleichen
    Wieviele Stunden im Jahr muss man fliegen, damit das endlich einen finanziellen Vorteil bringt...?!?

    Okay, für ein Neugerät sind 10 Jahre vermutlich falsch gewählt, da sollten sich die Erfahrenen hier im Forum mal äußern. In jedem Fall macht mich das im bezug auf Anschaffungen für Anfänger zögerlich.

    Aber es geht ja nicht nur im die Finanzen, sondern um Spaß am Fliegen... ;-)

    Und da der letzte Absatz meist besonders beachtet wird: Wer kennt Verleiher, die Gyros im Programm haben? Kennt vielleicht jemand eine Site diesbezüglich?




  • Hallo Sukram,



    herzlichen Dank für deine Super Antworten auf meine Fragen.
    Das ist es, was ein Forum ausmacht. Kompetente und nette Leute, super.



    Ja die Gyros sind natürlich Exoten in der Fliegerei und rar gesät.
    Mir hat sich die Frage anfangs gestellt, entweder Fläche oder Rotor, Spass oder Touren, allein oder mit Personen.



    Das mit den Kosten ist ja so ein Sache. Natürlich bin ich
    mir bewusst, dass als Fussgänger mit den minimal Stunden nicht alles
    getan ist und du einfach länger brauchst und mehr investieren musst. 



    Die Preise für einen neuen Gyro sind im Verhältnis zu einem
    neuen UL in etwa gleich. Der Gebrauchtmarkt ist halt leer, denn die gebrauchten
    Gyros sind sehr teuer, wenn sie überhaupt verkauft werden. Chartern ist nicht einfach, da es viele aus Gründen der
    Sicherheit nicht so gerne machen.



    Ein exklusives Hobby ist nun mal nicht mit Logik und
    Vernunft zu begründen.



    Mal sehen, was ich machen werde.



    Markus

  • Ich habe mal mein vor Monaten programmiertes Kalkulationstool angeschmissen und es mit den folgenden Zahlen gefüttert:
    • Anschaffung: 70.000 Euro
    • Abschreibung: 15 Jahre
    • Stellplatz: 100 Euro/Monat
    • CSL: 580 Euro/Jahr
    • Jahresnachprüfung: 100 Euro
    • Benzin: 1,50 Euro/Liter (großzügig berechnet)
    • Ölkosten: 10 Euro/Liter
    • Funkgerät: 80 Euro (einmalig)
    • Verschleißteile: 250 Euro/Jahr
    • Reinigungsmittel: 50 Euro/Jahr
    • Schirm packen: 200 Euro/Jahr
    • TBO Kosten: 8.000 Euro
    • TBO: 2000 Stunden
    Mein Tool spuckt dabei folgende Zahlen aus:
    • bei 100 Stunden Flugzeit/Jahr: 98,62 Euro/Stunde
    • bei 150 Stunden Flugzeit/Jahr: 75,11 Euro/Stunde
    • bei 200 Stunden Flugzeit/Jahr: 63,36 Euro/Stunde
    • bei 250 Stunden Flugzeit/Jahr: 56,31 Euro/Stunde
    • bei 300 Stunden Flugzeit/Jahr: 51,61 Euro/Stunde
    • bei 350 Stunden Flugzeit/Jahr: 48,25 Euro/Stunde
    • bei 400 Stunden Flugzeit/Jahr: 45,73 Euro/Stunde
    • bei 450 Stunden Flugzeit/Jahr: 43,77 Euro/Stunde
    Die Zahlen sind natürlich ohne gewähr. Aber es zeigt ziemlich deutlich, dass man unter 100 Stunden jährlicher Flugleistung aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht über einen eigenen UND neuen Flieger dieser Preisklasse nachdenken sollte. Es gibt natürlich andere Gründe, die wiederum dafür sprechen, welche aber nicht kalkulierbar sind (flexibilität, unabhängigkeit, etc.)...
  • Hallo an die Gyro-interesierten , Einsitzer mit D Zulassung gibts ab ca 34000.-inkl.Steuer
    Wenn dann erst SPL für Gyro erwerben  ,bei evtl Flächenerweiterung brauchst Du nur noch 10 Std.
    Eine Tragschrauberausbildung kommt auf ca 6500,- , chartern sieht noch ein wenig trübe aus vorallem als Neuling. Rettungsschirm gibts nicht und brauchts nicht bei bei Tragschraubern .Auf der Aero 2010 
    kannst Dich über alle Geräte vor Ort informieren .

    Grüsse Ralf
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