Erfahrungswerte: Vergaservereisung trotz Vergaservorwärmung?

Forum - Wetter & Meteorologie
  • Eis entsteht abrupt, Vereisung entsteht schleichend. Wenn man annimmt dass der Unterdruck im Vergaser nur einen geringen Einfluss auf den Gefrierpunkt des Wassers hat sondern die entstehende Verdunstungskälte des Treibstoffs die Temperatur absinken lässt und dass der Energiegehalt von Luft, ob vorgewärmt oder nicht, ebenfalls zu vernachlässigen ist, dann bleibt als wesentlicher Faktor der Vergaser selbst zurück, genauer gesagt die Temperatur des Vergasers. Der Vergaser hat eine erhebliche Masse und damit ein hohes Potential Energie aufzunehmen oder abzugeben.
    Ein kalter Vergaser vereinst früher, ein warmer später oder gar nicht. Die Temperatur eines Vergasers wird im Wesentlichen durch die Einbausituation / Luftführung /Strahlungswärme des Motors und/oder Schalldämpfer... und im negativen durch die Verdunstung des Treibstoffs bestimmt.
    Vergaservereisung ist somit primär ein Wärmebilanzproblem der Vergaseroberfläche, die angesaugte Luftmasse beeinflusst die Abkühlraten, ist jedoch nicht der bestimmende Parameter.
    Und hier unterscheidet sich, ob man mit Vereisung zu tun hat oder nicht. Warmer Vergaser und kalte Luft (hohe Dichte) wären ideal. Das ist unter der Motorverkleidung konstruktiv manchmal gut gelöst, manchmal eben nicht. Nur als mögliches Beispiel: Abgeschottete Luftführung zur Kühlung der Zylinder kann u.U. dazu führen dass zu wenig Wärmeenergie an die Vergaser übertragen wird. 
    Warum dann trotzdem nach Aktivieren der Vergaservorwärmung Besserung eintritt (trotz geringem Energiegehalt der vorgewärmten Luft) liegt an dem engen Temperaturband wann Eis entsteht und wann nicht. 

    Greetings


  • Praxiserfahrung:

    Meine Pioneer 200 hat keine Vorwärmung. Die Luftfilter des 912UL ragen frei in den warmen Motorraum.

    Vereisungsanzeichen in Form ganz leichter, zunächst kaum wahrnehmbarer und dann schleichend zunehmender Vibrationen hatte ich schon mal in einer Flugphase mit wenig Leistung bei starkem Dunst und Temperaturen um 0 Grad.

    Vorsichtig mehr Leistung setzen hat das Problem behoben.

    Bis auf dieses sehr seltene Phänomen bei einer in Bezug auf Vereisung wirklich aufffällig kritischen Wetterlage ist der Vogel erfahrungsgemäß resistent gegen Vergaservereisung.

    Unser Vereinsflieger, eine C42B mit 912UL, Airbox und Vorwärmung, ist deutlich empfindlicher.

    Im herbstlichen Wetter der Wochen vor Weihnachten waren immer wieder sogar im Reiseflug mit 4800 U/min (150-160 km/h) aufkommende Vibrationen zu spüren, anfangs nur mit Feinfühiigkeit über die Pedale zu spüren. Das Ziehen der Vorwärmung brachte immer innerhalb von Sekunden Abhilfe. Wir fliegen deshalb derzeit in der Platzrunde durchweg mit aktivierter Vorwärmung.

    Ich deaktiviere die Vorwärmung auch erst unmittelbar vor dem Start, nicht schon am Rollhalt, der bei unserem Platz in der Nähe der Halbbahnmarkierung liegt, also mehrere hundert Meter vom Abflugpunkt weg.

    Allzeit guten Flug wünscht Techbär

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