Inhalte von Übungsflügen nach LuftPersV §45

Forum - Luftrecht
  • Moin in die Runde,

    mich interessiert welche Inhalte und Übungen bei eueren Übungsflügen vom mitfliegenden Fluglehrer angeboten oder gefordert werden. Wurde auf euere Wünsche etwas bestimmtes zu üben eingegangen, was waren das für Wünsche? Andersherum die Frage an die Fluglehrer, was fordert ihr von einem Piloten bei einem Übungsflug? Habt ihr schon mal einem Piloten die Unterschrift im Flugbuch verweigert, wenn ja warum? Werden oder wurden Protokolle über die Flüge und die Ergebnisse geschrieben? 

    Die LuftPersV §45 fordert lediglich den einstündigen Flug in Begleitung eines Fluglehrers, macht aber keine Angaben zu Inhalten. Auch die Verbände bzw. Beauftragte machen (bisher) keine konkreten Vorgaben.

    Warum Frage ich danach? Nach der Ausbildung ist dieser Übungsflug rechtlich die einzige Möglichkeit für uns Lehrer einen Piloten oder eine Pilotin bezüglich seines/ihres Übungsstandes zu überprüfen. Für Piloten/Pilotinnen ist dieser Flug eine super Möglichkeit zu üben und ggf. Neues zu lernen, das wurde ja schon in anderen Beiträgen im Forum diskutiert.

    In meiner Praxis als UL Fluglehrer und Prüfungsrat sehe ich aber leider immer wieder Fälle wo die Stunde lediglich als kleiner Ausflug abgeflogen wird. Das ist schade und vergeudete Zeit im Sinne der Flugsicherheit....

    Mit dem Hintergrund immer noch hoher Unfallzahlen und momentan steigender Zahl von Luftraumverletzungen sollten wir als Piloten bezüglich dieser Übungsflüge von den Lehrern vielleicht mehr einfordern, wir Lehrer mehr Themen und Übungen anbieten. Wie seht ihr das?

    Ich bin gespannt auf euere Beiträge :-)

    Zu mir selbst: Leiter der nationalen UL Meisterschaften, Mitglied im Vorstand der Bundeskommission UL (DAeC).

  • Bis auf ein einzelnes Mal haben alle FIs mit mir einem Flugumfang durchgeführt, der dem handwerklichen Teil einer Prüfung entspricht. Also Grenzflugzustände, Triebwerksausfall, touch and go, ...

    Den theoretischen Teil (Winddreieck, Kartenvorbereitung, etc.) hat keiner gemacht.

    So mache ich es als FI TMG und GLD auch.

    Inzwischen mache ich aber eh immer eine Befähigungsprüfung, da ich damit alle meine Scheine auf einmal verlänger. Geändert hat sich dadurch nur, dass man auch ein paar theoretische und luftrechtliche Sachen durchspricht, was aber vor allem aus dem biannual vom US-PPL kommt..

  • Hallo Steffen,

    danke für deine positive Rückmeldung, so sollte es auch gemacht werden. Den Windeinfluss sollte man in der Praxis eliminieren können, sowohl auf Strecke wie auch bei Start und Landung. Ein Winddreieck zeichnen ist dagegen meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß, außer in der Schulung um das Prinzip zu verstehen. Ein wichtiger Punkt ist sicher auch der Umgang mit der modernen Avionik und ggf. dem Glascockpit, grade ältere Piloten tun sich da manchmal echt schwer mit. Aber das moderne Cockpit macht die Beschäftigung damit notwendig. Danke für dein Feedback! Gruß Michael

  • Michael_Kania schrieb:
    Die LuftPersV §45 fordert lediglich den einstündigen Flug in Begleitung eines Fluglehrers, macht aber keine Angaben zu Inhalten. Auch die Verbände bzw. Beauftragte machen (bisher) keine konkreten Vorgaben.
    Servus Michael,

    selbst wenn es definiert wäre und schwarz auf weiß niedergeschrieben ist - es gibt immer solche und solche: Die mehr machen und die weniger machen.
    Vorschläge vom Verband zum Inhalt schaden nichts - aber fixe Vorgaben müssen es auch nicht gleich sein. (Dafür gibt es ja schon die Befähigungsprüfung)

    Das gibt einem etwas Spielraum, z.B. auf die Schwächen des Piloten einzugehen.
    Ich versuche immer herauszufinden: was machen sie selten oder gar nicht?

    Und das wird dann, neben einem Basis-Programm (eben vieles was man in der praktischen Prüfung auch können muss) welches immer bei mir drin ist, halt besonders geübt. Das kann dann vieles sein und hilft manche Piloten aus ihrer Komfortzone (immer ein ähnlicher Flug um den Kirchturm im Wohnort - und ja, es gibt genügend die damit zufrieden sind) zu bringen und mit der Sicherheit des FIs etwas über den Tellerrand zu schauen.

    Größeren Platz anfliegen (Verfahren+Lufträume+Funk), in eine nicht so bekannte Richtung fliegen, FIS,  Asphaltpiste wenn sonst nur Gras, Bedienung der Avionik, usw. . Die Möglichkeiten sind (fast) unbegrenzt.

    Michael

  • Servus Michael,

    danke für dein Feedback. Du hast natürlich recht, eine fixe Vorgabe im Sinne einer Befähigungsüberprüfung geht ggf. am Ziel vorbei. Individuelles Training halte auch für besser, und wenn es nur der Funk am kontrollierten Platz ist.

    Das nimmt schon einiges an Arbeitsbelastung vom Piloten weg, wenn er geübt darin ist. Damit hat er mehr Kapazitäten für andere Aufgaben die zu bewältigen sind. 

    Dennoch frage ich mich warum es grade in diesem und letzten Jahr so viele (unnötige) Unfälle und gefährliche Luftraumverletzungen gab und gibt. Ja sicher, Corona und mangelnde Übung wird der eine oder andere sagen... und schon sind wir wieder am Punkt Übungsflug und Training angelangt.

    Ich bin sehr gespannt auf weitere Beiträge, vielleicht kommt auch mal eine negative Erfahrung hinzu.... Wenn nicht, um so besser :-)

    Gruß Michael

  • Michael_Kania schrieb:
    Ich bin gespannt auf euere Beiträge :-)
    Seitens der Verbände wie z.B. von der Ultraleichtkommission (ULKO) des Luftsport-
    Verbands Bayern e.V. (LVB), wurden Hinweise an die Mitglieder lediglich über deren
    Internetauftritt10 gegeben:
    ÜBUNGSFLUG MIT DEM ULTRALEICHT
    Aus gegebenem Anlass möchte die ULKO des LVB, auf den in der LuftPersV
    vorgeschriebenen Übungsflug zur Aufrechterhaltung der UL-Lizenz hinweisen.

    Praxis Vorschläge/-Übungen:
    -Dauer mindestens eine Stunde Flugzeit (vorgeschrieben) mit Fluglehrer
    - Einflug in CTR
    - Notlandeübung, Außenlandeübungen
    - Navigationstraining mit Kleinnavigation
    - Anflug eines fremden Platzes
    - Überprüfung des Sprechfunkverkehrs
    - Übung des allgemeinen Handling (Kreise, rollen, sinken, steigen, Lang-
    samflug usw.)
    - Einhalten der Platzrunde (Höhe, Einflug, Örtlichkeiten)
    - Flugzeugcheck nach Check-Liste
    - Überprüfung der Flugplanung (Wetter, Beladung, Kurs usw.)
    - Einhalten der Lufträume und Flughöhen
    Durchführung:
    Die o.g. Übungspunkte sind als Vorschläge zu werten. Jeder Fluglehrer ist
    selbstverantwortlich für die Durchführung des Übungsfluges.
  • Hallo Michael ( auch dann hier mal :) )

    Ich sehe es genau wie Du.

    Es ist natürlich IMMER ausschliesslich Fluglehrer / Prüfer abhängig.
    Warum man (aus Faulheit?) darauf "verzichtet" dem Scheininhaber weiter zu schulen ( man lernt nie aus)
    war mir auch nie klar. Ich habe dann als Pilot selber gerfragt " was wollen wir denn machen, ich würde gerne ... "

    Im PPL z.B. mache ich jährlich ja auch ne Stunde und bin echt glücklich eine Lehrer im Verein gefunden zu haben
    der mich da echt fordert.
    Was soll schon passieren...ausser dass man schlauer wird und noch im besten Fall etwas mitnimmt / lernt ?

    Falsche Ängste ( dann muss ich mich neu beweisen ) sind da fehl am Platz.

    Ich habe den Vorteil (mit eigener Maschine) dann auch mal heftige Dinge wie Trudeln, Rolle etc. machen zu können
    ( weil Maschine und Scheine das eben hergeben ). Macht laut FL auch ihm Spass ... mal was anderes.

    Aber wir haben auch Dinge geübt, auf die ich nie gekommen wäre ( Seitenruder-2-min Turns und anderes, wasich in den 30 Jahren nie gemacht hatte ... )

    Also klares Statement ... Etwas "üben" was man sonst selten bis nie macht  ... macht SINN.

    Doof in der Karre 60 min "runterreissen" und Kaffee-Gespräche ... sind Spritverbrennen und im besten Fall "lustig".

  • Hallo zusammen, ich mache erstmal grob das was in einer praktischen Prüfung geflogen wird. 

    Ich bespreche vorab, welche "Defizite" der Pilot bei sich selbst sieht und was er sich wünscht was wir üben sollten, das baue ich dann mit ein.

    Was ich nahezu immer mache ist Einflug in die CTR, das machen die meisten Piloten bei uns selten, daher übe ich das gerne. Ansonsten stehen Ziellandungen mit und ohne Motor, Leistungsabfall im Start, Ausfall von Instrumenten o.ä. auf der Liste der möglichen Übungen. Ich passe es immer dem jeweiligen Piloten an.

    Ein festes Programm macht in meinen Augen wenig Sinn. Jeder Pilot ist anders und so betrachte ich jeden individuell, herauszufinden welche Marotten sich eventuell eingeschlichen haben, welche Handgriffe vielleicht anders optimiert werden können etc.

    Gleichwohl sind Fluglehrer keine allwissenden Alleskönner auch bei uns schleicht sich immer Mal etwas ein, deshalb lassen wir uns ja auch überprüfen.

    Wogegen ich mich allerdings strikt wehre, sind diese "Lass uns Mal ne Stunde rumgondeln" Überprüfungen, das hilft niemandem.

  • So ist es ... es ist eben von vielen vielen Dingen abhängig ..da ich z.B. fast bei jedem Flug in CTR `s
    etc. rumknattere .. würde das zu üben (bei mir) wenig Sinn machen.

    Dafür mache ich vielleicht andere Dinge selten / garnicht.

    Ein "generelles Programm" für alle ...  ist also oft nicht wirklich dienlich ...also sind die
    Fluchleerer gefragt etwas sinnvolles zu machen.

  • @Oliver, ja die Information vom LV Bayern kenne ich, hatte mit dem Landesausbildungsleiter Robert auch länger diskutiert wie man mit den Übungsflügen am besten umgeht. Daraus ist seine Information auf der Webseite entstanden. Mein Gegenstück, was zugegebener Maßen eine ziemlich harte Nummer ist, kannst du hier nachlesen.

    https://sway.office.com/AsCdHRdDXnjbjx25

    ich sehe grade das Robert die Datei auch veröffentlicht hat....

    https://www.lvbayern.de/fileadmin/content/sparten/ultraleicht/dokumente/U__bungsflug_FI-Pilot__AR_.pdf

    @Higgy, das ist genau der Knackpunkt den du ansprichst, immer mal wieder was Neues lernen, was Neues versuchen zu erreichen. Und wenn es nicht vom Piloten selbst kommt, ist der Fluglehrer gefragt die Lücken und Schwierigkeiten zu erkennen, oder auch zu motivieren etwas Neues zu versuchen. Nun sind die Möglichkeiten für reine UL Piloten eingeschränkt, aber die Motivation kann ja z. B. auch sein den LAPL zu erwerben, über diesen Weg habe ich die Kunst- und Nachtflugberechtigung erworben, ein Erfahrungsschatz der unbezahlbar ist.

    Aber bleiben wir mal bei den UL only Piloten, nicht jeder hat die Möglichkeit die Ausbildung zum LAPL zu machen. 

    @Kurt, dein letzte Punkt ist ja genau mein Thema. Leider kommt das immer wieder vor: Start, 60 Minuten rumfliegen und eine Landung. Minimum erfüllt aber das kann es doch nicht sein. Im Grunde möchte ich nicht das der Beauftrage Verband uns die zu übenden Punkte vorgibt, andererseits kommen wir wegen steigender Unfallzahlen in die Kritik (auch die E Klasse!). Die Versicherungen schlagen zum Teil ja jetzt schon Alarm.

    Ein letzter Punkt, mir liegt natürlich die Deutsche Meisterschaft sehr am Herzen, die ich seit 10 Jahren leite. Vieles von dem was auf einem Übungsflug vorkommen soll, wird in den Aufgaben einer Meisterschaft gefordert. Erstmalig in diesem Jahr lassen wir auch Fluglehrer mit Schüler teilnehmen, ich bin mal gespannt auf das Feedback :-)

    Noch mal @Higgy, klar wenn jemand regelmäßig in einer CTR fliegt gibts da nicht viel zu üben (Ich fliege u.a. in Mannheim, CTR ist Alltag). Aber dann wäre ein kurzer Grasplatz, abfallende/ansteigende Piste, o.ä vielleicht ein ganz neue Herausforderung, neben den Dingen die schon angesprochen wurden.

    In diesem Sinnen einen schönen Abend!

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