Deckungssummen für Haftpflicht und CSL

Forum - Luftrecht
  • Moin,

    hat von Euch jemand eine Idee warum die Deckungssummen in der Luftfahrt im Bereich der Haftpflicht- und CSL-Versicherung so gering sind? Schon zu Gleitschirmzeiten habe ich mich da immer gewundert und heute beim UL ist es das gleiche Spiel. Was nutzt mir eine Haftpflicht/CSL-Versicherung, deren Deckungssumme nur 2 Mio € beträgt wovon maximal 750.000€ auf Personenschäden des einen Passagiers an Bord entfallen?

    Wenn ich den Pax bei einem Unfall zum lebenslangen Krüppel fliege, wird die Pflege in den nächsten 70 Jahren wesentlich mehr kosten als die besagten 750.000€. Sobald die Deckungssumme aufgebraucht ist, hafte ich dann wieder mit meinem privaten Vermögen in unbegrenzter Höhe.

    Wenn man sich die Versicherungen und Versicherungsmakler so ansieht, kann man dort die Deckungssumme überall nur auf ca. 5 Mio € gesamt hochschrauben. Aus dem KFZ-Bereich bin ich da ganz andere Zahlen gewohnt. Konkret denke ich an 100 Mio € Gesamt-Deckungssumme und mindestens 10 Mio. € für jeweilige Personenschäden einzelner Personen. Wenn ich also den Passagier und eine weitere Person am Boden zum Krüppel mache, reden wir da dann schon über 20 Mio. € Deckungssumme.

    Um die Prämien erträglich zu halten, würde ich sowas dann auch mit 10.000€ Selbstbeteiligung abschließen. Klar sind 10.000€ viel Geld, aber der Betrag ist nur "sehr ärgerlich" und ruiniert mich nicht für den Rest meines Lebens.

    Wie denkt Ihr darüber? Gibt es irgendwo Versicherungen mit solchen Deckungssummen? Bin ich da total auf dem Holzweg?

  • Moin,

    falls es einen Versicherungsmarkler oder Artverwandt hier gibt:

    bei KFZ gibt es eine Art Liste mit den höchsten jemals fälligen Summen und deren Häufigkeit.

    Falls es eine Liste dieser Art beim Fliegen gibt, könnte dort die Antwort liegen...

    Meine persönliche Vermutung ist: die mittleren Summen reichen für nahezu alle Fälle, und mit den höchsten Angeboten liegt man über dem maximal erreichten Schaden.

    Gruß Raller

  • raller schrieb:
    und mit den höchsten Angeboten liegt man über dem maximal erreichten Schaden.
    Irgendwie muß ich da spontan an Teneriffa ′77 denken. Ok, so eine Nummer, also wenn ich eine 747 runterhole, weil ich mich auf einem kontrollierten Platz super bescheuert anstelle, würde ich selber wahrscheinlich eh nicht überleben, aber die Dimension ist dann doch schon beängstigend.
  • Klar,

    aber keine Versicherung der Welt kann dich vollständig absichern. Ich glaube, der teuerste Fall bei KFZ war ein Auslegekran, der nicht unter einer Autobahnbrücke durch gepasst hat. Das waren irgendwas um die 22 Millionen...

    Um vollumfänglich haftbar gemacht zu werden, musst du gröber als grob fahrlässig handeln, dann geht die Versicherung auf Distanz und du hängst voll drin. Dann kommt es schon zum Besuch von Herrn Zwegat.

    Ich kenne keinen Fall, bei dem durch Unfall jemand ruiniert wurde. Anders sieht es bei gewerbsmäßigem Handeln aus oder eben bei Absicht...

    Gruß Raller

  • Ich finde jedenfalls die Deckungssummen, die in so einer CSL-Versicherung aufgerufen werden, was Drittschäden und Personenschäden beim Passagier angeht, als viel zu gering. Jetzt kann man natürlich argumentieren, daß der Pilot einen Unfall wahrscheinlich eh nicht überleben wird und es ihn dann nicht mehr trifft. Gleiches gilt für den Fall, daß der Passagier den Flug nicht überlebt. Auch dann wird es für die Versicherung relativ günstig.

    Aber was ist, wenn ich einen 10jährigen Pax zum Krüppel fliege. Der hat noch durchschnittlich 75 Jahre Lebenserwartung vor sich. Rechnen wir da den Verdienstausfall seines ganzen Lebens und die anstehenden Pflegekosten zusammen, bin ich mit 500.000 SZR (ca. 620.000€ aktuell) gnadenlos unterversichert. Das wären nicht einmal 10.000€/jahr oder 700€/Monat. Dafür bekommt man keine Pflegestufe 3 und vom Verdienstausfall reden wir mal gleich gar nicht.

    Da halte ich den Ansatz der KFZ-Haftpflichtversicherer schon für wesentlich realisitischer. Diese setzen 10 Mio. € pro Person als Deckungssumme an, insg. maximal 100 Mio €.

    Kann man sowas auch als Pilot für Charter-/Vereinsmaschinen abschließen, wenn einem die Deckungssummen des Vercharterers/Vereins viel zu gering erscheinen?

    Wenn es zu teuer wird, würde ich auch über 10.000€ SB nachdenken, aber die Millionen, die will ich versichert haben, weil die mich im Fall der Fälle ruinieren würden.

  • Schließe doch bei 3 oder 4 weiteren Gesellschaften eine weitere Haftpflichtversicherung ab und informiere  alle Beteiligten darüber. ;-)  Evtl.könnte man mit einem Luftfahrtversicherer über eine "Exzedentendeckung" verhandeln. Die würde dann oberhalb der eigentlichen Deckungssumme greifen.

    Die Summen sind so gering, weil der Gesetzgeber nicht mehr fordert und weil die Anbieter die Erträge wohl nicht auch noch mit einem Rückversicherer (Versicherer der Versicherer) teilen wollen.

  • @cbk

    Bei Deiner Versicherung (oder anderen Anbietern) schon mal angefragt, ob gegen eine höhere Prämie oder SB höhere Deckungssummen möglich sind?

    Die gesetzlich geforderte Mindestdeckung wird für die meisten hier akzeptabel scheinen. Wenn du mehr zu zahlen bereit bist, wird man dir sicher helfen können.


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