das Beste für den Flugschüler wird sein, wenn sich Erklärungen an die geltenden Regeln halten, nicht dach der Mehrheitsmeinung eines Forums oder der am vehementest verteidigten Einzelmeinung. Daher ist auch die Norm, nicht eine beliebige (Fach-)Literatur ausschlaggebend. Ob der Flugschüler dann in seinem späteren Leben davon abweicht, ob der Fluglehrer etwas anderes lehrt oder ein Prüfer nicht genau hinhört kann nicht Quintessenz einer Frage nach korrektem Flugfunk sein.
Zitat ColaBear:>>Falls du das vorangestellte *Wort* "Position" meinst: das wird zumindest in den einschlägigen Lehrmedien als Option vermittelt, wenn ich mich nicht irre, vergleichbar dem optional vorangestellten Wort "Flughöhe". <<
Natürlich ist das Wort POSITION gemeint, die aktuelle Position ist eine Information, keine Sprechgruppe. Daß dieses Wort überflüssig ist - sobald eine Positionsangabe und keine ETA genannt wird - versteht sich von alleine, abgesehen davon, daß sie nicht in der durch Sie referenzierte NfL vorgesehen ist, außerhalb der Sprechgruppen HALTEN SIE POSITION und zur Übermittlung von Positionsangaben durch bzw. Erbitten von ebendieser von der Flugkontrollstelle. Die optionale Sprechgruppe FLUGHÖHE hat demgegenüber sehr wohl eine Bewandtnis, wenn dadurch sichergestellt werden kann, über welcher Druckhöhe die Angabe nun gemacht wird. Da der Zusatz FLUGFLÄCHE allerdings verbindlich ist, kann man das Wort FLUGHÖHE optional benutzen, zumal die Angabe der Flughöhe ja auch die der Einheit erfordert.
Zitat ColaBear: >> Als Konvention vielleicht, aber wo ist dafür eigentlich die Festlegung/Vorschrift/whatever? <<
Die Minute ist - außer Sie bestehen auf die unwahrscheinliche Annahme der Bogenminute - eine Zeiteinheit, keine Entfernungseinheit. Die Angabe "5 Minuten südlich des Platzes" beinhaltet demnach lediglich eine EET, keine Positionsangabe. Um diese umrechnen zu können, wäre die Kenntnis der der Geschwindigkeit über Grund erforderlich, welche naturgemäß nicht vorausgesetzt werden kann.
Zitat ColaBear:>> Bei der Meldung fünf Minuten Abstand weiß ich beispielweise als Platzrundenverkehr, ab wann der Kollege in der Nähe des Gegenanflugs auftauchen wird. <<
Genau. Mehr wissen Sie allerdings nicht, eine Position schon dreimal nicht. Um das zu verdeutlichen (auch in Beantwortung des Beitrags von Volker-P) ein kleines Beispiel. Sie möchten den verflogenen Sprit durch das Mehrgewicht eines Tortenstücks und einer Tasse Kaffee in Entenhausen ausgleichen und fliegen den Platz aus Süden kommend an. Ihr GPS zeigt eine Geschwindigkeit über Grund von 80 Knoten und Sie sind noch 10 MN vom Platz entfernt und der Höhenmesser zeigt Platzrundenhöhe an. Sie rasten die Frequenz von Entenhausen Info und bekommen mit, wie sich eine SR22 ebenfalls zur Landung meldet. Seine Positionsangabe ist 5 Minuten südlich.
Preisfrage: Wo befindet sich die SR-22? Kommt sie gerade aus den Leveln mit 180 kts angeschossen, sinkt mit 500 ft/min und ist noch 2500 Fuß über Platzrundenhöhe und hinter Ihnen? Oder hat der Pilot schon auf 120 kts abgebremst und ist in Platzrundenhöhe 3 Meilen vor Ihnen? Oder irgendetwas dazwischen? Mit der alleinigen Angabe "5 Minuten südlich" können Sie als Pilot, für den diese Angabe ursprünglich gedacht war - also nicht für den Flugleiter, die Betriebsfeuerwehr oder den Koch - keinerlei für Sie nützliche Information gewinnen.
Da der Verkehr in der Platzrunde geregelt ist und auch der Einflug in selbige (in der Regel) standardisiert abläuft, hat der Platzrundenverkehr mit der Information, daß anfliegender Verkehr noch fünf Minuten bis zum Platz (oder bis zur Eingliederung in die Platzrunde? Dieser Unterschied ist je nach Flugzeug nicht gerade vernachlässigbar) benötigt ebenfalls keinen Zusatznutzen gegenüber der Beschreibung der Position anstelle der EET. Zum einen gibt es - Volker-P sprach es schon an - die Pflicht, sich frühzeitig zu melden und zum anderen kann der dann gerade startende Pilot seine Positionsmeldungen beispielsweise durch die Meldung des Eindrehs in den Gegenanflug erweitern, wenn zu befürchten ist, daß der anfliegende Verkehr den Platzrundenverkehr nicht sieht. Überdies ist es ohnehin ratsam, sich an standardisierte Verfahren zu halten, sobald dies fliegerisch machbar ist. Alleine schon aus dem Grunde, daß in unkontrolliertem Luftraum auch keine Pflicht zum Funken besteht, einige Teilnehmer gar keinen oder nur stark eingeschränkt hörbaren Funk mitführen. Daher kann von der Annahme, der Platzrundenverkehr würde von der Angabe der EET anstelle der aktuellen Position profitieren nicht die Rede sein.
Kurz noch einmal zu den Angaben auf den Anflugblättern. Dort ist bei einigen Flugplätzen vermerkt, daß sich anfliegende Piloten eine bestimmte Zeitspanne vor Erreichen den Platzes bzw. der Platzrunde zu melden haben. Dies ist insofern schlüssig, als daß anfliegender Verkehr sich bereits über Funk mit der Verkehrssituation am Platz vertraut machen soll. So kann er den Flugweg der aktuell in Betrieb befindlichen Landerichtung anpassen (mit dem Verweis auf den korrekten Flugweg für den Einflug in die Platzrunde) oder sich einen Überblick über die Anzahl der Flugzeuge in der Platzrunde verschaffen. In der Regel setzen Flugzeuge in der Platzrunde in der geforderten Zeitspanne mindestens einen Funkspruch ab, sei es eine Startmeldung, eine Meldung in der Platzrunde, die Ankündigung für Fallschirmspringer, Kunstflug oder Windenstarts. Sofern sie für die Flugführung des Piloten von Interesse sind, bekommt dieser auf diese Weise recht umfassende Informationen über das Geschehen am Flugplatz. Was jedoch auf keinem Anflugblatt zu finden ist, ist die Forderung, eine EET zu melden. Die NfL I 7/12 sieht die Angabe einer Zeit bei einer Positionsmeldung nur dann vor, wenn die Meldung gefordert wurde, aus flugbetrieblichen Gründen allerdings nicht abgesetzt werden konnte. Dann kann man die ATO mitteilen.
Herr Borchert hat überdies kein Argument gegeben, welches für eine "Positions"angabe in Minuten sprechen würde. Denn aufgrund der besagten Regelung für die Frühzeitige Meldung dürfte jedem ohnehin klar sein, daß sich das anfliegende Flugzeug innerhalb der nächsten fünf bis zehn Minuten in den Platzrundenverkehr eingliedern wird. Wie auch er bemerkte, ist diese Angabe für andere anfliegende Flugzeuge eine vollkommen nutzlose Information, und eben diese anderen Flugzeuge haben in der Regel höhere Relevanz für die Flugsicherheit in dieser Situation, als der unmittelbare Platzrundenverkehr.
Zitat ColaBear:>>Der Hinweis auf die Plätze mit Mehrfachnutzung der Frequenz ist gut, erscheint mir aber als Sonderfall.<<
Nun, wenn Sie dies als Sonderfall sehen, sind Sie gerne Eingeladen, sich einschlägige Frequenzlisten anzuschauen, die Abstände zwischen den entsprechenden Flugplätzen zu suchen und mit der UKW-Reichweite im Flugfunk zu vergleichen. Sie werden erstaunt sein, wie häufig hier noch Überschneidungen zu finden sind. Dabei sind die Segelflug- und UL-Gelände mit gemeinsamer Frequenz nicht mal berücksichtigt. Die NfL I 7/12 sieht die Nennung des Flugplatznamens in der Tat nicht bei jedem Funkruf vor.
Zitat Volker-P:>> Da der Anflug und Einflug sowie die Landung in der Verantwortung des Flugzeugführers liegt, kann es dem Flugleiter egal sein von wo du kommst. Was mehr Sinn macht, ist die Information DAS du kommst, und WANN du kommst, damit er Zeit hat, Dir die Info zu geben, ob sich evtl. Flugzeuge in der Platzrunde befinden, ob Segelflugbetrieb ist oder andere sinnvolle Informationen. <<
Dem Flugleiter ist es auch egal, wann Sie ankommen, es sei denn er möchte den Rettungsdienst rechtzeitig rufen, oder frischen Kaffee aufsetzen. Die Informationen, die man auf der Platzfrequenz abgibt sind für die anderen Verkehrsteilnehmer gedacht, nicht für den Flugleiter. Dies ist auch der Grund, warum exakte Positionsmeldungen eklatant wichtig sind. Vor allem muß darauf geachtet werden, daß man sich bei Angabe einer Position auch wirklich dort befindet, nicht noch eine Meile davor, weil die Position dann unter der Cowling verschwindet. Ein leider viel zu häufig beobachtet und viel zu selten gelehrter Unterschied.
Mit besten Flugwünschen,
MA