TL Sting 80 PS // Gib mir mehr Speed!

Forum - Technik & Flugzeuge
  • Geschätzte Forums-Gemeinde

    Bevor ich mir erlaube, meine ersten Forumsfragen in die Runde zu werfen, kurz zu meinem Background: Kam vom Drachenfliegen über Trike SPL (2018) zum UL-Dreiachserfliegen (seit 2021). Seit März d.J. besitze ich eine TL Sting (Bj. 2006) mit 80 PS Rotax (ca. 1100 h) und habe mir damit definitiv einen Jugendtraum erfüllt - soweit so gut ;-) Mein Egohangar steht in der Schweiz, der Hangar der Sting in der Nähe von Schaffhausen auf deutscher Seite der Grenze. 

    Da ich ganz überwiegend längere Strecken fliege, suchte ich nach Möglichkeiten, die Cruisespeed zu verbessern. Bei Übernahme der Sting hatte der serienmässige Wezel-Dreiblatt-Fixprop nur minimal Pitch, weil dem Vorbesitzer aufgrund seines kurzen Heimatplatzes mit lediglich 280 m eine gute Steigleistung wichtig war - absolut nachvollziehbar (meine Homebase hat dagegen 780 m Platzlänge). 

    Das bedeutete aber auf ca. 3500-4000 ft bei 4800-5000 U/min eine Cruisespeed von ca. 145-155 km/h IAS. Für einen Flieger wie die Sting mit eigentlich guter Aerodynamik war da m.E. noch Luft nach oben. Gesagt, getan: Bei der nächsten 100-h-Kontrolle den Pitch um ca. 1-1.5 Grad steiler stellen lassen und die beidseitigen Einstiegshilfen hinter dem Flügel entfernt (wenn ich ohne die nicht mehr in den Flieger komme, hör′ ich freiwillig auf mit Fliegen). Und das Auge fliegt ja schliesslich mit... 

    Und siehe da: Nun "rennt" das Fliegerle unter den o.a. Bedingungen ca. 170-180 km/h IAS und verbraucht dabei stets unter 14 L/h. Das war schon mal ein guter Schritt nach vorne! Zum Glück hat sich die Startstrecke bis zum Abheben nur moderat verlängert - geschätzt ca. 70-80 m je nach Untergrund - getestet sogar mit etwas mehr als MTOW. In der Luft merkt man richtig, wie sich der Prop ab 140 km/h noch mal richtig "reinkniet" sobald er mit ausreichend Luft angeströmt wird. 

    Weil aber das Bessere bekanntlich des Guten Feind ist, geht die Suche nach mehr Geschwindigkeit weiter. Leider ist die 80-PS-Sting gemäss Gerätekennblatt bei der Prop-Wahl auf einen einzigen Prop beschränkt: eben den oben genannten Wezel-Dreiblatt-Fixprop aus dem Gerätekennblatt.  

    Die 100-PS-Variante (912 ULS) dagegen lässt die Wahl zwischen drei Props inkl. Versteller. 

    Nun meine Bitte/Fragen an Euch: 

    1. Kann aus dem 80-PS-Rotax durch Tausch auf grössere Zylinderköpfe grundsätzlich ein 100-PS-ULS Rotax gemacht werden, der dann als Umbau selbstredend preisgünstiger sein sollte als eine Neuanschaffung eines kompletten ULS-Motors und mir eine grössere Vielfalt bei der Propwahl gemäss Gerätekennblatt gäbe?

    2. Lässt sich ein 80-PS-Motor - ohne die Lebensdauer übermässig zu beeinträchtigen - in der Leistung steigern, so dass der Prop-Pitch ggf. weiter erhöht werden kann? (Funair offeriert auf der HP für den 912 UL eine Steigerung von 80 PS auf 90/95 PS, wobei ich nicht weiss, auf welche Art dies erfolgt)

    3. Käme ggf. eine Umrüstung auf DUC Swirl/E-Prop mit Einzelabnahme inkl. Lärmmessung in Frage oder ist das zu aufwändig bzw. hat jemand so etwas in der Art schon mal durchgezogen?

    4. Gibt′s ggf. noch andere - mir unbekannte - Optionen, um die Cruisespeed zu verbessern? (muss beim Thema Effizienz/Aerodynamik immer an die 80-PS FK9 von DeltaMikeHeavy denken, wo ja gezeigt wurde, wie gut ein UL mit 80 Pferdchen rennen kann)

    Sehe gespannt den Ratschlägen Eurer Schwarmintelligenz entgegen und wünsche allen eine unfallfreie Restsaison! 

    Danke, swisslife 

  • Moin,

    vorneweg: mehr Leistung führt erstmal nur zu relativ geringem Geschwindigkeitszuwachs, wenn der Rest der Parameter passt. Ich habe die gleiche Situation bei meiner FK9. Der Propeller verliert ab einer gewissen Geschwindigkeit spürbar an Wirkungsgrad. Ich habe den Prop steiler gestellt und etwa 20-25km/h gewonnen. Noch steiler konnte ich den Prop nicht einstellen, da ich dann unter 5200u/min bei Vollgas gekommen bin, laut Rotax ein Limit. Bleibt mehr Motorleistung oder ein Verstellpropeller. Ich habe den Motor mittels Hubraumvergrösserung getunt und den Prop steiler gestellt, das hat noch mal 10-15km/h gebracht. Das erhöhte Drehmoment nutze ich, um aus der Ecke Pitch vs Drehzahl zu kommen. Limit ist nach wie vor der Propeller, die Mehrleistung ist vor allem beim Steigen hilfreich, bei der Speed kaum. 

    Fazit: ich hätte das Problem auch mittels Verstellprop lösen können, fand den Ansatz aber zu komplex und zu schwer. Die Firma E-Props hat jetzt einen Propeller am Start ( Görieuse ), der nicht signifikant mehr wiegt, das wäre eine Option. Du kannst auf den 80PS Motor die Köpfe des 100PS Motors bauen, dann hast du etwa 90-95 PS wegen der anderen Nockenwelle, aber immer noch das kurz übersetzte Getriebe. Es gibt Kolben mit höherer Verdichtung, die bringen das Gleiche. Es gibt Big-Bore-Kits und Einspritzanlagen. Oder du besorgst dir nach Absprache mit dem Musterbetreuer einen 100PS Motor samt passenden Propeller analog Musterkennblatt und hast alles, was sinnvoll mit der Zelle geht. Ich würde letzteres probieren…

    Gruß Raller 

  • Geschätzter Raller

    herzlichen Dank für die ausführliche Antwort und Weitergabe Deiner Erfahrungen mit dem kleinen Rotax.

    Letztlich teile ich Dein Fazit - zum Glück ist aber mein "Leidensdruck" bezüglich (Verschlimm-)Besserung nicht sehr hoch. Die Sting fliegt tipp-topp und das Motörchen macht mit ca. 1′300 Betriebsstunden keinen Stress und verbraucht auch kein Öl - von daher alles gut.

    Noch zur Ergänzung: Von Aktionen mit oder über Musterbetreuer bin ich ziemlich geheilt. Hatte den Eindruck, dass dort häufig zwei virtuelle Schilder am Zaun hängen: 1. "Stör′ mich nicht in meinem (Vertriebs-)Tiefschlaf!" und 2. "Wegen Reichtum geschlossen". Ist selbstredend keine Pauschalaussage, sondern meine zwei Negativerfahrungen aus eigener Anschauung.

    Wo wir aber schon mal beim Austausch sind: Würdet Ihr meinen Motor bzw. das Getriebe mit besagten 1′300 h, welches bislang ungeöffnet blieb und - wie zuvor beschrieben - keine Probleme macht, inspizieren bzw. überholen lassen? Dies ist ja bei den zertifizierten Motoren bei 1′000 h vorgeschrieben. Oder verfährt man hier eher nach dem Grundsatz "Never change a running System"? Bekanntermassen ist ja der kleine Rotax ein "zähes Biest".

    Beste Grüsse, swisslife


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