Luftsportgeräteführer schrieb:Ich versuch′s mal...
Würde mich auch mal im Detail interessieren....
Zunächst mal ist die Frage irgendwie sinnlos, mindestens aber am Kern vorbeizielend. Die Frage muss eigentlich korrekt lauten: Was bekam man damals und was bekommt man heute für dasselbe Budget. Denn auch Raumfahrt ist vor allen Dingen budgetabhängig. Natürlich stellen diese beiden Rover nicht das Maximum des technisch Machbaren dar, aber sie stellen, so meine ich, das machbare mit dem dafür gegebenen Budget dar. Soviel einleitend.
Zum Thema weiche Landung auf anderen Himmelskörpern:
Das wurde erstmals so "richtig" mit den amerikanischen Surveyor-Landern auf dem Mond 1966 verwirklicht. 1969 dann Apollo mit (natürlich) Rückstart, dann kamen die Russen mit ihren Luna- und Lonochod (Rover)-Missionen. Luna 16 brachte 1970 ein paar Gramm Mondstaub zur Erde.
Selbstverständlich ist dasselbe auf dem Mars eine _ganz_ andere Hausnummer! Sowohl technologisch als auch kostenseitig eine ganz andere Liga. Gucken wir beim Mars doch mal genauer hin unter dem Gesichtspunkt, was damals und heute bei gegebenem Budget verwirklich wurde.
Zufällig sind diese beiden Roverlandungen recht gut vergleichbar mit den ersten Marslandungen von Viking 1 und 2 in 1975. Beides weiche Landungen, beides 2 getrennte Missionen (2 Lander), die beiden Vikings waren identisch aufgebaut, die beiden Rover nicht ganz. Dazu kommt noch, dass jede Viking-Mission aus Orbiter und Lander bestanden, der Orbiter hat damals ebenfalls sehr wertvolle wissenschaftliche Untersuchungen geleistet, die beiden Rover jetzt waren reine Landermissionen.
Viking war als "Marslaboratorium" ausgelegt, hier wurden Bodenproben entnommen und im Lander analysiert, Ziel war die Suche nach Leben.
Auch die beiden Rover jetzt sind als Labore ausgelegt, auch hier werden Bodenproben im Rover (aber, im Gegensatz zu Vikung, auch ausserhalb) analysiert. Eigentlich könnte man es grob als Viking auf Rädern bezeichnen. Und in der Tat gab es damals Planungen, weitere Vikings mit kleinen Raupenantrieben an den Landebeinen zum Mars zu schicken.
Kosten (Inflationsbereinigt):
Viking 4.8 Mrd. Dollar
Rover 4.7 Mrd. Dollar
Kostete also beides ziemlich genau dasselbe. Was bekam man dafür?
Viking:
2 Orbiter, welche in erster Linie hochauflösende Fotos der Marsoberfäche und der beiden Monde aufnehmen.
2 Lander mit je 2 Kameras und den 4 Experimenten zum Nachweis von Leben
Grosser Nachteil und damals von den Wissenschaftlern enorm bedauert: Die Lander stehen an Ort und Stelle! Man hat auf den Fotos Objekte gesehen, die man zu gerne näher untersucht hätte, aber einfach unerreichbar!
Lebensdauer Lander: 4 Jahre
Curiosity und Perseverance:
2 Rover mit ungleich mehr Experimenten (siehe Wiki) und sogar einen kleinen Helikopter(!).
Lebensdauer: Steht noch nicht fest, Curiosity fährt seit 9 Jahren herum. Energie hält insgesamt für 14 Jahre, wenn sonst alles heil bleibt, werden noch für weitere 5 Jahre wertvolle Daten geliefert.
Dasselbe grob für Perseverance.
Fazit:
Für +/- dasselbe Geld bekommt man nun 2 mobile Marslabore mit 3-facher Lebensdauer, um ein vielfaches an Experimenten und als Sahnehäubchen einen kleinen Helikopter.
Möglich wurde dies in erster Linie durch den absolut genialen Skycrane (darauf muss man erstmal kommen!). Der Clou dahinter ist, dass man nicht ohne Ende "tote" Masse in Form von ausladendem Landegestell und Rampen mitschleppen muss, was natürlich bei gegebener Nutzlast der Trägerrakete zu lasten des Rovers gehen würde, dieser wäre dann also deutlich kleiner geworden.
Der technologische Fortschritt innerhalb dieser gut 30 Jahren (nicht 50!) ist unübersehbar.
Chris