Hallo liebe Luftsport-Begeisterte,
ich glaube, dass jeder schon mal bei einem Überlandflug gedacht hat: Wenn nun der Motor Probleme machen würde, so wäre das echt Schei... Ich gebe zu dieser Gedanke hat ich nach vielen Stunden des zuverlässigen Laufes immer weiter nach hinten gedrängt. Das passiert nicht. Der Motor/Vergaser sind top gewartet (Düsennadel Clips/Schwimmer usw. i. O. alles ist auf Stand. Er läuft halt, wie er soll ....
Gestern sollte es anders werden. Gerade in einer Gegend unterwegs in der ich nicht so oft fliege, in einer Höhe von ca. 3500 ft macht der Rotax Probleme. (912 ULS/100 PS / ca. 750h /Airbox / Verstellprop / Constant Speed Regelung).
Ich hatte den Motor auf 4600 U/min bei 26 Inch Ladedruck eingestellt. Er lief bis dahin schön ruhig. Ganz plötzlich war es so, als hätte sich der Prop binnen einer Sekunde von selbst wieder auf flache Steigung gestellt. Keine Aussetzer im Motorlauf, sondern es klang, als würde dem Motor keine Leistung mehr abgenommen.
Genau diese Geräusche kenne ich, wenn ich z. B. im Geradeausflug manuell den Prop von hohe auf flache Steigung zurückdrehe. Dem war aber nicht so. Der Prop war nach wie vor auf hohe Steigung. Die Drehzahl hat sich beim Auftreten des Problems nicht signifikant verändert.
Erster Reflex:
Sofort die Vergaser-Vorwärmung gezogen.
Die Constant Speed Regelung auf manuell umgestellt / Prop flache Steigung auf 5000 U/min. Benzinpumpe ein
Innerhalb der nächsten 10 min (Vergaser-Vorwärmung war weiterhin gezogen ) kam es noch bestimmt 5 mal zu dem genannten Problem. Immer für ca. 5 s, dann war es wieder weg.
Ich bin solche Situationen und das entsprechende Prozedere schon hunderte Male im Kopf durchgegangen. Aber wenn es tatsächlich passiert, ist alles anders. Dieses Gefühl ist auch unbeschreiblich. Leider war ich im Rückflug zu sehr damit beschäftigt, immer neue Außenlandeflächen zu suchen, zu funken usw., somit habe ich keinen Blick auf die Ladedruckanzeige geworfen.
Panik ist zwar nicht aufgekommen, aber eine unendliche Anspannung und der Gedanke, dass der Motor gleich komplett stehen könnte.
Er hat durchgehalten. Letztendlich habe ich auf die Flughöhe von 4000 ft bis zum Platz halten können und meine Befürchtung, dass er spätestens im Leerlauf ausgeht, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Die vielen Ziellandeübungen waren definitiv eine gut investierte Zeit. Der Platz ist nicht sehr lang und durchstarten hätte ich mit dem Motorlauf nicht wollen.
Nun, wieder heile am Boden, betreibe ich Ursachenforschung. Also vom Gefühl würde ich sagen, dass eine Vergaserseite ausgefallen ist. Ich habe aber keine Ahnung, ob sich das tatsächlich wie oben beschrieben auswirkt. So richtig warm war es oben zudem auch nicht: Laut Gafor in meiner Flughöhe:
Nullgradgrenze:FL050-060, im Norden zusätzlich gebietsweise negative Temperaturen bei 3000 - 4000 ft AMSL.
Das Schwimmerproblem im Bing-Vergaser kenne ich auch. Das hat sich seiner Zeit aber eher nur im Leerlauf bemerkbar gemacht.
Jedenfalls bin ich froh, dass alles so glimpflich abgelaufen ist und über jeden Hinweis auf eine mögliche Ursache dankbar.
Viele Grüße