wie zieht man eine Verschraubung ohne Drehmomentschlüssel an?

Forum - Technik & Flugzeuge
  • Hallo zusammen,
    oft gibt es Situationen beim Schrauben, wo man ums Verrecken nicht mit dem Drehmomentschlüssel rankommt, den man gerade zur Verfügung hat.
    Was kann man dann machen?
    Richtig - man kauft einen speziellen Vorsatz für den Drehmomentschlüssel !
    ... oder -  mit Gefühl anziehen !

    Aber wie geht das, wenn man nicht täglich mit einem Drehmomentschlüssel arbeitet und das "Gefühl" dadurch nicht geschult ist?

    Dazu folgender Tipp:
    man nimmt einen Drehmomentschlüssel und spannt den Vierkant in einen Schraubstock.
    Nun stellt man ihn auf das Drehmoment ein, welches man zum Anziehen des Teils oder der Verschraubung benötigt.
    Dann übt man eine Weile mit dem Drehmomentschlüssel und zwar auf der Länge, die man nachher mit z.B. dem Maulschlüssel anwenden muss (z.B. 15 cm), wie sich das Drehmoment anfühlt, wenn er auslöst oder das Drehmoment erreicht hat.
    Anschließend kann man die Verschraubung mit dem vorher geübten "Gefühl" anziehen.

    ... aber Vorsicht - wer unsicher ist, überlässt es lieber jemanden, der das kann!

    Viele Grüße
    Ralf

    Nachtrag: die Frage kam per PN.
    Bitte stellt hier solche Fragen, damit jeder was von einer Antwort hat.

  • Dazu vielleicht als kleine Hintergrundinformation, da vielen Hobby-Schraubern gar nicht so recht bewusst ist, wieso man Schrauben mit einem gewissen Drehmoment anzieht, statt sie "anzuballern" bis sie zwar fest aber kurz vorm Abreißen sind:

    Bei der Montage wird eine Vorspannkraft aufgebracht, die zu einer elastischen Verlängerung der Schraube und zu einer Verkürzung der Bauteile führt. Man kann sich dabei die Schraube wie eine Zugfeder, und die verbundenen Komponenten wie eine Druckfeder vorstellen. Eine im Betrieb auftretende zusätzliche Kraft verteilt sich entsprechend der Elastizität der verbundenen Teile. Bei Zugbeanspruchung nimmt die Belastung der Schraube nur gering zu, die verbleibende Klemmkraft nimmt aber umso stärker ab. Die durch die Vorspannkraft hervorgerufenen elastischen Dehnungen bzw. Stauchungen der Bauteile führen dazu, dass beim Auftreten einer Betriebslast der Reibschluss zwischen den Bauteilen erhalten bleibt. Dafür ist es notwendig, die Schraube möglichst stark vorzuspannen, um möglichst viel der elastischen Dehnung nutzen zu können. Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass die größere Belastung der Schraube aus der Vorspannung bei der Montage herrührt, und die eigentliche Betriebslast nur sehr selten zu einer Überlastung der Schraube führt.

    (Quelle: Konstruktionspraxis Vogel)

    "Anballern" bringt also nichts, da die Schraube dann von vorn herein überlastet und damit geschwächt werden kann.

    Zu lasch angezogen kann die Verbindung nach dem Anziehen wiederum erst fest wirken, sich durch Setzvorgänge, Schrumpfungsprozese, etc. später lösen.

    Man kann die korrekte Kraft beim Anziehen der Verbindung übrigens (unter anderem) statt mit nem Drehmomentschlüssel auch über die Längsdehnung der Schraube messen. Miest ist dies für den gemeinen Hobbyschrauber aber noch schlechter zu realisieren als mit den Drehmomentschlüssel.

  • Ralle schrieb:
    Was kann man dann machen?
    Ich würde einen Adapter bauen bzw. kaufen, auf den ich dann meinen Drehmomentschlüssel setzen kann, wie er z.B. im Jabiru Service-Manual auf Seite 35 oben abgebildet ist.

    --> https://jabiru.net.au/wp-content/uploads/2019/07/JEM0001-15_Overhaul_Manual.pdf

    Diese Adapter gibt es auch mit offenem Maul. Man muß natürlich dann noch etwas rechnen, weil sich das gewünschte Drehmoment an der Schraube nicht immer dem am Schlüssel eingestellten Drehmoment entspricht.

    Berechnung:
    --> http://www.cncexpo.com/TorqueAdapter.aspx

    Reicht das immer noch nicht, könnte man auch auf einen Drehmomentschlüssel kaufen, der über auswechselbare Maulvorsätze verfügt. Die Schlüssel sind allerdings eine ganze Ecke teurer. Wobei so ein Drehmomentschlüssel ja auch nichts anderes ist, als wenn ich mit einer Federwaage (manche wiegen damit ihre Koffer vor der Reise) an einem ganz normalen Schraubenschlüssel ziehe. Kraft * Kraftarm = Drehmoment

  • Variante. Den Dehmomentschlüssel wie oben beschrieben einspannen, aber anstatt mit Handgefühl zu messen, einfach diese Federwaage einsetzen. 

    Zweite Variante. Rechnen. 



    http://frankavio.it/dinamometro.htm

  • Rechnen is immer son Ding ... 2/3 der deutschen können kaum rechnen ... das ist fast 60% !

  • Werner1966 schrieb:
    einfach diese Federwaage einsetzen. 
    Das stimmt, das ist eine gute Methode.
    Nur sollte man sich dabei im Klaren sein, dass das etwas vorsichtig zu geniessen ist.
    Bei Verschraubungen, die in relevantem Maße eine Vorspannkraft mit einer Dehnschraube benötigen, muss das Drehmoment in einer gleichmäßigen Bewegung aufgebracht werden, damit man nicht das Drehmoment mit Haftreibung sondern mit Gleitreibung setzt.

    Dürfte in ULs aber ziemlich selten sein.

  • Steffen_E schrieb:
    Bei Verschraubungen, die in relevantem Maße eine Vorspannkraft mit einer Dehnschraube benötigen, muss das Drehmoment in einer gleichmäßigen Bewegung aufgebracht werden, damit man nicht das Drehmoment mit Haftreibung sondern mit Gleitreibung setzt.
    Das ist vollkommen richtig. Es sollte jedoch jede Verschraubung beim Erreichen des Anzugsmomentes mit einer gleichmäßigen Bewegung enden .

    Viele Grüße
    Ralf




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