Gemischeinstellung Rotax 912

Forum - Technik & Flugzeuge
  • Hallo zusammen

    Auf der Messe hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Techniker. Er bemängelte, dass kaum jemand, bei unruhigem Motorlauf oder Startproblemen, die Gemischeinstellung kontrolliert. Und ich muss zugeben, auch wir haben nie CO gemessen, weil dies erst mal gar nicht so einfach ist (fehlende Messnippel am Krümmer). Hat jemand Erfahrungen damit?

    Vielleicht hat Ralle dazu Infos?

    Tom

  • Moin,

    mein 912 100ps lief direkt nach dem Anlassen sehr unrund und hat stark geschüttelt. Sah beeindruckend aus, was Motorlager so abkönnen. Ebenfalls war der Verbrauch relativ hoch, ansonsten lief der Motor problemlos. Um dem Schütteln auf den Grund zu gehen, hat mein Motorenfachmann sich das Ganze mal angesehen. Vergasernadeln auf voll Fett eingehängt und Leerlaufgemisch auch sehr fett. Beim Anlassen brauchte es kaum Choke, weil er eh immer auf Fett lief und deswegen am Anfang auch kaum zum Zünden kam, deswegen das Schütteln. Beim Auseinanderbau der Vergaser kam heraus, das die Dinger im Werk mies gefertigt wurden ( ich hänge mal ein paar Bilder an). Nach Wartung und Reparatur haben wir dann den Hobel neu abgestimmt. Dazu gibt es Zündkerzen, bei denen du Quasi die Verbrennung sehen kannst ( Colortune ). Ergebniss ist deutlich besseres Startverhalten und etwa 2L/h weniger Verbrauch. Kerzenbild ist super, Temperatur auch. Falls du magst, kann ich dir die Kontaktdaten meines Fachmanns schicken.

    Gruß Raller

    P.S. habe keine Softstartmodule...


    Hier kann man die Rillen sehen, die waren auch deutlich zu spüren, insgesamt machten die Gehäuse einen unfertigen Eindruck. Alles glatt gemacht, danach top!

  • Ich weiß natürlich, dass jeder der es wagt an seinem MotorHand anzulegen als suizidverdächtig gilt, aber sei‘s drum. Wer die kritischen Blicke der Kollegen aushalten kann, der erhält viel Erkenntnisgewinn. Als Ausgangspunkt für die Vergaserproblematik will ich mal Brian Carpenters Reviews nennen. Man beginnt mit Part-3, und wer das spannend findet darf sich auch noch Part-1 und Part-2 anschauen.

    "I′m amazed that we can have as many in-flight engine related problemsas we have in aviation. These engines continuously shout and waved their arms letting us know that there are problems. When you′re reading a spark plug it′s telling you a tremendous amount of information about the condition of your engine. The engine will help you fix her, if you′re simply willing to listen. But as your wife keeps telling you: “you never listen.”

  • raller schrieb:



    Hier kann man die Rillen sehen, die waren auch deutlich zu spüren, insgesamt machten die Gehäuse einen unfertigen Eindruck.

    War da auch noch ein Lunker im unteren Drittel des von Dir eingekreisten Bereichs oder täuscht das Foto?
  • Moin,

    Lunker würde ich es nicht nennen, aber insgesamt war das Gehäuse im Rohzustand...

    Gruß Raller

  • Quax der Bruchpilot schrieb:
    Vielleicht hat Ralle dazu Infos?
    Hallo zusammen,
    das ist wirklich kein einfaches Thema aber man kann das Gemisch auch ohne Abgastester relativ gut einstellen.


    Dazu benötigt man neben einem Synchrontester noch einen möglichst genauen Drehzahlmesser. Dafür ist das Instrument im Cockpit leider ungeeignet. Es ist zu ungenau und zu weit weg.
    Es gibt induktive Drehzahlmesser aus dem Rasenmäherbereich, die man nur in die Nähe der Zündkabel halten muss und die dann relativ genau die Drehzahl anzeigen.
    Vorrausgesetzt, die Vergaser sind in einem guten Zustand, am besten überholt und mit sämtlichen erneuerten Verschleißteilen versehen, ist die Vorgehensweise folgende:

    man synchronisiert die grundeingestellten Vegaser möglichst genau (pneumatisch) und stellt die Standgasdrehzahl auf 1700 1/min ein.


    Dann wird die Motordrehzahl mit den Gemischschrauben auf die höchste Drehzahl eingestellt und dabei eventuell die Standgasdrehzahl wieder auf 1700 1/min nachjustiert. Dabei kann es sein, dass man die Gemischschrauben auch noch weiter herrausdrehen muss, weil die Standarteinstellung (1,5 Umdrehungen herrausdrehen) zu mager ist.


    Da nun das Gemisch aber etwas zu fett ist, dreht man die Gemischschrauben jeweils abwechselnd an beiden Vergasern (maximal 1/12 Umdrehungen) ganz langsam magerer - also im Uhrzeigersinn weiter rein - bis man einen Drehzahlabfall von 20 1/min feststellt (deswegen der genaue Drehzahlmesser).


    Nun müsste der Motor ordentlich laufen und man kann die Standgasdrehzahl für den Flugbetrieb noch anpassen - also eventuell etwas reduzieren.
    Was wichtig ist, ist eine ständige Kontrolle, ob die Vergaser noch richtig synchronisiert sind - und zwar pneumatisch.
    Ich kenne nur einen Einzigen, der das auch mit mechanischer Synchronisation hinbekommt, aber der bin ich nicht.

    ... wer sich was gutes anschaffen möchte sollte sich vielleicht mal sowas anschauen - ist mit Drehzalmesser.


    Ich hoffe ihr, könnt damit was anfangen und würde mich über Rückmeldungen freuen, wie ihr damit klargekommen seid.

    Viele Grüße vom Bodenpersonal im Ruhestand
    Ralf

  • Hallo,

    habe meinen 914 von einiger Zeit mit Schlauchwaage synchonisiert, mich hat gewundert wie wenig Einfluß das Aufdrehen der Luftschraube hat, so ca. 20mm WS. Links 1,5 rechts 2,5 Umdrehungen. Habe ein kleines Loch in beide Vergasertassen gebohrt, so dass ich bei laufendem Motor die Luftschraube drehen konnte.

    Gruß Peter

  • Guten Morgen
    Die Methode von Ralf ist sehr gut, braucht aber etwas Fingerspitzengefühl und Erfahrung.

    Einige Kunden schwören auf Colortune Zündkerzen für die Einstellung:
    Gunson Colortune 12mm
    Zwei Stück kosten um die 100€ und sind daher deutlich preiswerter als ein Abgastester.
    Wir haben damit keine Erfahrung, da wir Viergastester und Lambda-Messsonden verwenden.

    Mit besten Grüssen
    Das Silent Hektik Team


  • silent_hektik schrieb:
    Einige Kunden schwören auf Colortune Zündkerzen für die Einstellung:
    ... ich habe noch einen kompletten 4-Zylinder-Satz aus den 80er Jahren, früher damit an Motorräden gearbeitet und auch am Rotax in Verbindung mit Abgasmessungen ausgiebig getestet.

    Leider erfordern sie noch mehr Erfahrung als die Methode mit dem Drehzahlabfall, weil man dabei keine Messergebnisse ablesen kann und die Farbe der Verbrennung beurteilen muss.

    Ich glaube, dass das Geld besser in den synX-Tester investiert ist denn bei mir liegen die Colortune-Kerzen auch nun rum.


    Viele Grüße vom Bodenpersonal im Ruhestand
    Ralf

  • Interessant. Gibt es im Norden jemand, der die Ausrüstung hat und das machen kann? Ich hab zuwenig Erfahrung damit.

    Gruß

    Gerd



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