Hallo MCR01,
Grundsätzlich ist der 912er ULS anfälliger als die 80 PS Version. Trotzdem sollte er deutlich über 1000 Std klaglos arbeiten. Die 2000 Std von Rotax machen sich gut im Prospekt und sollen vereinzelt auch ohne größerer Reparaturen erreicht worden sein :-).
Es gibt sehr viele Möglichkeiten einen Motor so zu misshandeln, dass die von dir beschriebenen Schäden auftreten. Deshalb will ich hier, insbesondere ohne Fotos, nicht ins Detail gehen.
-> Der Druckverlust auf allen Zylindern ist logisch, wenn die Ventilsitze kaputt sind.
-> Den Schaden am Getriebegehäuse würde ich mir näher beschreiben lassen. Es gibt typische Schäden wie undichte Simmerringe oder Pittings auf den Zahnflanken. Das Getriebegehäuse ist eigentlich unproblematisch!
-> Der defekte Freilauf ist ein „normaler Schaden“ bei Rotax ULS, wie er sich bei Vereinsflugzeugen aber erst um die 1300 Std bemerkbar macht. Im Vereins-Schulungs- und ggf. Schleppbetrieb kommen ca. 4 Anlassvorgänge auf eine Stunde Flugbetrieb und nicht immer wird der Chocke richtig genutzt, so dass der Freilauf auch mal länger belastet wird. Bei Privatmaschinen mit längeren Flugintervallen sollte dieser Schaden eigentlich nur vorkommen, wenn sehr oft und viel „georgelt“ wurde. Das lässt zumindest die Vermutung zu, dass der Vorbesitzer schon ein Motorproblem hatte.
Auch wenn es dir frühestens beim nächsten Ul Kauf hilft:
Wir überwachen zur Früherkennung von Schäden alle Flugzeugmotoren bei Ölcheck.de im 100 Std Intervall. Da kostet eine Probeanalyse zwischen 40 und 120 Euro je nach Umfang der Analyse. Die Firma liefert nicht nur Daten sondern ein Ingenieur bewertet diese auch. Allerdings sollte das Öl mindestens 25 Stunden gelaufen sein um eine Aussage zum Motor machen zu können.
Wir haben auf diesem Weg herausgefunden, dass unsere Piloten in der kalten Jahreszeit das Öl trotz Abkleben der Kühler nicht warm genug fliegen und sich Sprit im Öl ansammeln konnte, was die Viskosität herabsetzt und die Schmierung gefährdet. (Otto Kraftstoff siedet erst bei 80 Grad) Auch Dieselreste im MOGAS unseres Lieferanten wurden in der Ölanalyse nachgewiesen und konnten abgestellt werden.
Die Schäden an den Ventilsitzen hätte eine Kompressionsprüfung, ggf. auch eine Differenzdruckmessung aufgedeckt. Aber wer ist schon so misstrauisch und gründlich bei einem 450 Std alten Motor?
Ich würde auch nur einen grundüberholten Motor oder einen Neuen kaufen. Die Reparatur lohnt nicht.