Liebe UL-Kollegen,
inspiriert von der laufenden Umfrage, ich möchte hier etwas Licht ins Dunkel um den "LAPL" bringen.
Der LAPL als Lizenz wird eine AUSSCHLIEßLICH in Europa gültige und anerkannte Lizenz sein. Ausserhalb Europas hat man sich mit dessen Gültigkeit oder evtl. Anerkennungen noch überhaupt nicht befasst. Aus gutem Grund: der LAPL wird nicht, wie bisher beim ICAO Schein (dem "alten" PPL-A oder GPL bzw. PPL-C) üblich nach den Richtlinien der ICAO ausgestellt. AUf Europäischer Ebene wird das sicherlich ein Vorteil sein, da wir in Europa dann "unser eigenes Süppchen" kochen können. Global gesehen ist das allerdings ein Rückschritt - man darf Europa mit seinem Gerät nicht mehr verlassen (vergleichbar mit dem jetzigen PPL-N). Im wesentlichen liegt das an der "Lockerung" der medizinischen Vorschriften bei, die für das ab 2015 neu zu erwartende LAPL-Medical zu erwarten sind. Genau dadurch aber ist das LAPL Medical nicht mehr den Vorgaben der ICAO entsprechend, das begrenzt uns wesentlich! Wer sich dafür interessiert muß in den EASA Part Medical "AMC" nachschauen, dabei handelt es sich um die detaillierten med. Vorgaben zur Ausstellung des LAPL Medicals. Grundsätzlich, so kann man sagen, wird eine Medical Klasse erschaffen, die unterhalb der Anforderungen des aktuellen Klasse 2 Medicals liegen. Ob das sinnvoll ist oder nicht soll an dieser Stelle überhaupt nicht zur Diskussion kommen. Ob es für die UL Fliegerei sinnvoll ist oder gar Vorteile bringt, wage ich zu bezweifeln. Der Grund dafür liegt auf der Hand: wir haben derzeit mit unserem Schein einen unbezahlbaren Sonderstatus, den wir auf keine Fall kippen sollten: Wir können mit unseren Maschinen weltweit fliegen und unterstehen trotzdem nicht der EASA! Zum vergleich: Ein Pilot, der seine (baugleiche!!!) CT als VLA zulässt und sie dann mit einem PPL-N fliegt, der muß an jeder deutschen Grenze umkehren, an der sien nebenher fliegender Kumpel mit der "M" zugelassenen CT weiterfliegen darf bis der Sprit alle ist...!
Wird es in zukunft zulässig sein, UL mit LAPL Medical zu fliegen, so begrenzen wir uns auf ähnliche Weise selbst auf die Fliegerei ausschließlich in Europa. Unsere Verbände werden aller Voraussicht nach, da es sich beim SPL um eine nationale Lizenz handelt, das LAPL Medical zur Nutzung mit den SPL-Lizenzen zulasssen. Aus über 20 Jahren Flugerfahrung kann ich jedoch nur davor warnen sich freiwillig selbst zu beschränken, das hat noch nie zu guten Ergebnissen geführt. In jedem Fall wird jegliche Form der Anerkennung der SPL-Lizenz im nicht-EU Ausland aber mit dem LAPL Medical zu wesentlichen Problemen führen bzw. ganz unmöglich sein. Wir müssen auch damit rechnen dadurch entsprechende Einflug-, bzw. Überflugverbote für nicht EU-Länder zu erhalten.
Da ab April 2013 schon die Klasse 1 und 2 nach den neuen Richtlinien der EASA (JAR- und weiterhin ICAO konform gleichermaßen) ausgestellt werden kann ich nur dringend dazu raten, im nächsten Jahr fällige Medicals vorzuziehen und noch VOR der Umstellung zu erneuern. Die Umstellung unterliegt bei den Behörden bisher immernoch vielen ungelösten administrativen und datenschutzrechtlichen Problemen und es ist als sicher zu betrachten, dass es im April für eine unbestimmte, weitere Zeit zu wesentlichen Problemen und Verzögerungen bei der Ausstellung der neuen Medicals kommen wird. Insbesondere Piloten mit Auflagen, oder mit in Zukunft zu erwartenden Auflagen (Medikamente, "Zuckererkrankung", Operationen u.ä.) sollten unbedingt VOR der Neueinführung zu Ihrem Fliegerarzt gehen, bei diesem Fällen sind Schwierigkeiten zu erwarten!
Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung,
mit besten Flieger(arzt)grüßen aus EDFG
Benny Schaum