Du sprichst mir da aus der Seele! Bis auf die hauptamtlichen Geschäftsführer in den Luftsportlandesverbänden arbeiten alle übrigen Amtsträger ehrenamtlich. Gerade bei uns in Hessen stehen wir nun einmal mehr vor dem Problem, daß der Luftraum um den Frankfurter Flughafen massiv abgesenkt worden ist. Es bleibt also immer weniger Platz für die Sportluftfahrt. Die nächste Begrenzung und Absenkung steht schon vor der Tür und in Kassel/Calden wird es ähnlich sein.
Ich greife diesen Punkt (Luftraumproblematik) heraus, da ich daran zwei Dinge aufzeigen möchte.
Erstens können es die ehrenamtlichen Mitstreiter, zu denen ich mich zähle, nicht bewerkstelligen, eine allumfassende Verbandsarbeit und Verbandspolitik zu betreiben. Dies macht eine Vollzeitbeschäftigung erforderlich, um mit Presse, Politik und Gesellschaft in ständigem Austausch zu stehen. Aber - wie Du richtig schreibst - gibt es eine Geschäftstelle in Braunschweig, nämlich den großen Bundesverband Deutscher Aero Club e.V. Hier sitzen hauptamtliche Mitarbeiter, die solche Aufgaben für die Fliegergemeinschaft durchführen könnten. Statt dessen erhalte ich alle 14 Tage eine lächerliche Visa-Karten-DAeC-Werbung sowie Hinweise auf diverse Luftsportveranstaltungen. Beim Problem gesperrter Lufträume oder neuer Wunsch-Lizenz-Klassen stehen wir Luftsportler, ob nun UL, Segelflug oder Motorflug et al., allein - und zwar ganz allein auf der sprichwörtlichen Piste.
Exkurs: Was waren das noch für Zeiten, als der DAeC mehr oder weniger eine "ständige Vertretung" in Bonn oder in Berlin beim Bundesverkehrsministerium inne hatte (vgl. hierzu Ausgaben und Berichte des "Aerokurier" der 1980′er und 1990′er Jahre, dort die "blauen Seiten").
Zweitens muß man allerdings auch die Verbändepolitik insgesamt kritisieren. Die Herren vom DULV, vom Modellfliegerverband, vom Freiballonverband oder vom DHV sind auf den Ausschußsitzungen des AUL/ALF oder beim Frankfurter Gespräch selten bis nie anwesend. Mit anderen Worten: Die "Drecksarbeit", nämlich soviel Luftraum für den Luftsport wie nur irgendwie möglich freizuhalten oder gar zu erkämpfen, wird wiederum nur dem DAeC überlassen.
Ich kenne beispielsweise keinerlei Medienaktion des DULV, in der er sich bezüglich Luftraumproblematiken stark gemacht hat. Und der DMFV glaubt auch, daß immer neuer Luftraum für das Modellfliegen ohne politische Lobbyarbeit möglich sei. Wie dem auch sei. Aber dafür "fallen wir" auf die tollen Serviceangebote, insbesondere hinsichtlich der Versicherungspakete, herein. Nichts gegen Wettbewerb: Natürlich ist es definitiv günstiger, sein UL-Spielzeug über das Versicherungspaket des DULV rundum oder saisonal zu versichern. Wird man eben Einzelmitglied beim DULV und spart wahres Geld.
Doch um wieder auf den Punkt zu kommen: Die meisten von uns haben das Fliegen wohl in einem Luftsportverein erlernt, ob sie dann später Eigentümer oder Charterkunde werden, sei mal dahingestellt. Aber immer weniger Luftsportlerinnen und Luftsportler finden noch den Weg in einen Verein. Das Interesse am Fliegen selbst kann meiner Meinung nach nicht gesunken sein. Vielmehr ist es leider so, daß wir verstärkt aufs Geld achten müssen und so komme ich zu meiner These, daß Luftsportvereine immer größere Fixkosten auf immer weniger Vereinsmitglieder verteilen müssen (die berühmte Kostenspirale). Fliegen wird damit im Luftsportverein teurer als beim Vercharterer.
Ergo - so meine These - wenden sich viele potentielle Luftsportler von Vereinen ab und suchen ihr Glück in dachverbandsfreien Vereinen oder in privaten Haltergemeinschaften bzw. als Einzelmitglied in den "Konkurrenz-Luftsport-Dachverbänden". Dies erklärt ja zum Teil auch die schrumpfenden Mitgliederzahlen in der DAeC-Statistik.
Würden aber alle Verbände solidarisch an einem Tisch sitzen und ihre vorhandenen Synergien zusammenlegen, würde dies durchaus den Kostendruck für jeden einzelnen Luftsportverein minimieren; man denke nur an ein globales Versicherungspaket für Luftsportvereine, Flugplätze und Flugzeuge! Und um auf das Luftraumproblem zurückzukommen: Wie peinlich ist es für mich gewesen, Politikern zu erkären, daß durch die Luftraumabsenkung um Rhein-Main ca. acht hessische Luftsportvereine in ihrer Existenz bedroht seien, mußte ich mir doch stets die Argumentation bzw. das Totschlagargument anhören: "Mit der neuen Start-/Landbahn Nordwest entstehen ca. 30.000 Arbeitsplätze. Und ihre acht Luftsportvereine machen ggf. 450 Personen aus". Anders wäre es da, wenn alle Luftsportlerinnen und Luftsportler eben wieder in einem großen, starken Verband organisiert wären.
Ob nun am Beispiel des Ultraleichfliegens der DAeC oder der DULV das Rennen machen wird, bleibt sich gleich. Eigentlich ist es ja schon entschieden. Die anderen Fachverbände haben sich letztlich deshalb so erfolgreich herausgebildet, weil sie ihre Mitglieder anscheinend besser betreuen können als es der DAeC aus Braunschweig vermag.
Fraglich - und für mich am Herzen liegend - bleibt die Existenzfrage der Luftsportvereine: Die Statistik auf meiner Seite spiegelt ja genau deren schrumpfenden Mitgliederbestände wider. In den klassischen Luftsportvereinen müssen immer größere Kosten auf immer weniger Schultern verteilt werden. Dies führt letztlich irgendwann dazu, daß Vereine in ihrem Kostendruck untergehen. Nicht heute und nicht morgen, aber mittelfristig muß dann das Fluggerät verkauft oder der Stundensatz für die Flugstunden massiv erhöht werden. Damit werden die Vereine immer unattraktiver.
Wie dem auch sei. Das war nun nicht das "Wort zum Sonntag", sondern vielmehr der Aufruf, Euch in Euren Luftsportverbänden zu engagieren. Werdet selbst ein kleines Zahnrad im großen Sportluffahrt-Getriebe.
Fliegergruß!
Pennula