Notlandung beim UL: Fahrwerk fährt nicht aus

Forum - Unfallprävention
  • Hi zusammen,

    da ich selber keine ULs mit Einziehfahrwerk fliege, aber dennoch interessiert an der Thematik bin, wollte ich von den Einziehfahrwerksultraleichtpiloten mal erfragen, was deren Checklisten bzgl. Notverfahren hergeben. Speziell interessiert mich, wie die Verfahren aussehen, wie und wo eine Notlandung durchgeführt wird. 

    1. Ich gehe davon aus, dass empfohlen wird, die Landung bei nicht ausfahrbarem Fahrwerk oder dem Verdacht, dass es nicht eingerastet ist, mit stehendem Motor durchzuführen?! Gibt′s darüber hinaus Regelungen, wie "Brandhahn zu"?

    2. Gibt es Empfehlungen, ob besser auf einer Hartbahn oder einer Grasbahn zu landen ist? 

    Hier ein Link zu der Fragestellung:

    https://www.aopa.org/news-and-media/all-news/1999/february/flight-training-magazine/gear-up-landings--asphalt-or-grass

    3. Gibt es darüber hinaus (aus eurer Erfahrung) Empfehlungen, wie man als ambitionierter Flugleiter mit der Situation umgehen kann? 

    Ich freue mich über eure Tipps und Erfahrungen. Lieben Dank schon mal.

  • Zu Frage 3:

    Wir hatten in Hildesheim vor einigen Wochen einen Vorfall mit dem Einziehfahrwerk einer VL3.

    https://www.hildesheimer-allgemeine.de/meldung/pilot-kuendigt-notlandung-auf-dem-hildesheimer-flugplatz-an-dann-gibt-es-entwarnung.html

    Der Flugleiter hat sich einen Mitarbeiter aus einer Werft zur Unterstützung geholt, um die Lage etwas besser zu beurteilen zu können. Sicherheitshalber wurde die Feuerwehr informiert, die dann auch schnell vor Ort war. Der Pilot hat dann noch mehrere Versuche unternommen, das Fahrwerk aus- und einzufahren. Dabei kam es dazu, dass das Fahrwerk dann doch wieder richtig funktionierte und problemlos gelandet werden konnte.

    Bei der letzten BfL Fortbildung wurde dieser Vorfall auch angesprochen. Die Landesluftfahrtbehörde hat empfohlen, dem Piloten in so einem Fall eine Notlandung auf einem größeren Flugplatz (in unserem Fall also EDDV oder ETNW) vorzuschlagen, da dort die Unterstützung für Notfälle besser ist. Die Entscheidung trifft aber der Pilot.

  • Hallo,

    fast alle Flugzeuge mit Einziehfahrwerk, die ich bislang geflogen bin hatten eine Notentriegelung. Meist fallen die Beine dann ab einer gewissen Geschwindigkeit durch ihr Eigengewicht raus und verriegeln.


    Sollte das nicht gehen:

    Anflug fortsetzen, Landung ohne Fahrwerk ankündigen. Nach eindrehen in den Endanflug, Brandhahn schließen, Triebwerk ausgehen lassen, und den Anflug ganz normal runterfliegen. Keine Experimente oder sonst was.

    Nach Möglichkeit würde ich immer versuchen auf Gras zu landen, das sorgt meist für geringere Schäden.

  • Kurt C. Hose schrieb:
    Nach Möglichkeit würde ich immer versuchen auf Gras zu landen, das sorgt meist für geringere Schäden.
    Würde ich so jetzt nicht bestätigen, bzw. würde ich persönlich Gras jetzt nur bevorzugen (sofern ich die Wahl hätte), wenn mir die Pistenbeschaffenheit bekannt ist. Gehe da eher konform mit dem oben verlinkten AOPA-Beitrag. Unebenheiten auf der Piste, der Prop dazu evtl. noch in blöder Stellung stehen geblieben oder der Flieger kippt zur Seite und bohrt sich mit der Fläche in den Boden, dann liegt man ggf. auch schnell mal auf dem Rücken oder holt sich durch das abrupte Abbremsen, wenn sich der Flieger mit Nase oder Fläche in den Boden bohren sollte, möglicherweise anderweitige Verletzungen.

  • Es gab vor ein paar Jahren in der Schweiz einen Vorfall, wo bei einer Pa28 das Hauptfahrwerk nach den Start "abgefallen" war. Da gibt es auf YT ein paar Video′s zu (die ich gerade auf die Schnelle nicht finde) und den Entscheidungsprozess ganz gut dokumentieren.

    Was du als Flugleiter tun kannst ist zwar nicht viel, aber du kannst dem Piloten Zeit geben im Sinne von entstressen. Solange "nur" nicht alle Lampen leuchten, aber Sprit, Tageslicht und Wetter o.k. sind hat der Piloten den Rest des Tankes Zeit.

    Du kannst dem Piloten zum offensichtlichen Zustand des Fliegers Informationen geben, wenn auch sicher nicht sehen können, ob die Verriegelung aktiv ist.

    Du kannst dem Piloten fragen, welche Unterstützung er/sie möchte und vielleicht auch anregen einen größeren Platz anzufliegen.

    Du kannst präventiv die Feuerwehr informieren.

    Du kannst (zugegebenermassen tricky) an&abfliegenden Verkehr charmant entzerren/blocken 

    Du solltest in allem was du tust Ruhe ausstrahlen.

    Alles andere liegt nun mal bei Piloten. Egal ob die Frage ob er/sie bei dir landen möchte, auf Gras oder Asphalt und letztlich ob mit oder ohne laufendem Triebwerk.

    Da kannst du letztlich nur hoffen, dass sich der PIC schon mal die Frage gestellt hat, was im Falle X das Beste ist.

  • Ich würde

    - Haube/Tür entriegeln bzw. öffnen (in der Schweiz ist ein Pilot im auf dem Rücken liegenden Tiefdecker verbrannt, Haube war nur einen kleinen Spalt offen und liess sich nicht weiter öffnen)

    - Brandhahn schliessen

    - Motor abstellen 


    Chris

  • Dieser Fall wurde hier schon einmal, allerdings aus einem ganz anderen, juristischen Blickwinkel, durchdiskutiert.

    Die Maschine hatte seinerzeit bei einem Landeversuch, auf einer ostfriesischen Insel, alle 3 Räder eingebüßt und musste anschließend auf den "Rohrstumpen" des Fahrwerks gelandet werden.

    Damals waren auch die Überlegungen im Raum, auf einen Rasenplatz auszuweichen. Man entschied sich in Leer auf Asphalt zu landen, was ohne Verletzte und ohne größere, zusätzliche  Schäden am Flugzeug gelungen ist.

    http://www.kreisfeuerwehr-leer.de/presse/212presse2503nutterm.php4

    Nach meinem Empfinden ist Asphalt berechenbarer, selbst, wenn es erhebliches Potential hat, Material "abzuflexen". Allerdings haben dann die Rettungs- und Bergungskräfte vernünftige Möglichkeiten, schnell, geordnet, mit schwerem Gerät anzurücken. Das Überschlagrisiko dürfte deutlich geringer sein und die Fuhre rutscht richtungsstabiler.

    In so einem Fall zählen primär die eigenen Knochen. 

    Wäre ich betroffen, dann würde ich die Tanks leerfliegen / den Sprit ablassen (geht bei meinem Vogel) und dann als Gleitflieger mein Glück suchen, denn wenn nichts brennbares mehr an Bord ist, steigen die Chancen, ungeröstet aus der Nummer rauszukommen, ganz ungemein. 

    Falls die Umstände zu sehr in Richtung Überschlag zeigen, dann eine Schirmlandung in Betracht ziehen.

    Die Frage mit dem Brandhahn stellt sich nicht, denn die wird in der Checkliste für solche Fälle zweifelsfrei beantwortet. Also zu!

  • ...Landungen ohne Fahrwerk auf Feldern können erhebliche Rückenverletzungen verursachen, eine Landung ohne Fahrwerk auf einem Grasplatz war und ist mir eingentlich sympatisch. Asphalt scheint aber eine echte Option zu sein, das fehlende Holz könnte ich gleich wieder einschäften.

  • Wichtig ist mit Minimalfahrt landen und man könnte auch ganz zum Schluss, also nach dem Bodenkontakt noch die Rettung ziehen um den Schwung abzubremsen. Ist dann halt ein Bremsschirm und kein Fallschirm. Der Flieger gehört in diesem Notfall eh der Versicherung. 

  • Tambelle schrieb:
    man könnte auch ganz zum Schluss, also nach dem Bodenkontakt noch die Rettung ziehen um den Schwung abzubremsen.
    Bis die Rettung auf ist, steht der Flieger längst...


    Chris

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