Unser Fliegerkumpel baut ab

Forum - Unfallprävention
  • Wir fliegen als eine kleine Gruppe von UL und PPL Piloten im "Dunstkreis" einer gewerblichen Flugschule. Manche chartern von der Flugschule, andere haben eigene Flieger. Viele Flüge und Feiern werden quasi vereinsähnlich gemeinsam gemacht. Man kennt sich und schätzt sich eben.

    Nun haben wir einen älteren Fliegerkamerad, der fliegerisch stark abbaut. Das merken wir auf gemeinsamen Ausflügen und das bestätigen auch unsere Fluglehrer.

    Er ist langjähriger UL-Pilot mit eigenem Flugzeug. Vor ein paar Jahren hat der Fliegerarzt ihm das Medical verweigert. Nach einer Zwangspause hat unser alter Fliegerkumpel wohl einen anderen Fliegerarzt gefunden und seitdem ein gültiges Medical. Das eigentliche Fliegen kann er noch, aber Navigation, Funk oder z.B. das Einhalten der Platzrunde an fremden Plätzen funktioniert nicht mehr gut.

    Wir haben versucht ihn zu überreden einen Sicherheitspiloten mitzunehmen, er sieht aber keine Notwendigkeit dazu. Er ist absolut uneinsichtig und läßt dieses Thema auch unter 4 Augen nicht zu.

    Wir sind nun in großer Sorge, dass etwas passieren könnte und vielleicht auch andere betroffen wären. Wir wollen unseren alten Kumpel weder ärgern noch anschwärzen und auch nicht die Schlüssel zu seinem Flieger "verstecken".

    Eine neutrale Anfrage beim RP ergab, das ohne vorliegendes Ereignis ( sprich Unfall) nur der Fliegerarzt tätig werden kann.

    Habt ihr einen Rat?

    Danke schon mal für eure Erfahrungen in ähnlichen Situationen. Unser alter Fliegerkamerad hat bereits 2 Navis im Cockpit. Er war bereits einmal "Geisterflieger" an einem fremden Platz. Sein Führerschein war wegen wiederholt verursachter Blechschäden schon mal weg. 

    Der Hinweis mit dem Überprüfungsflug ist gut. Habe ich garnicht daran gedacht.  Danke!

  • Hallo,

    >
    > das ohne vorliegendes Ereignis ( sprich Unfall) nur der Fliegerarzt tätig werden kann.
    >

    Es gibt noch einen, der "tätig" werden kann:
    Der Fluglehrer, bei dem der Kollege seinen 2 Jährigen Überprüfungsflug
    (früher hieß er Übungsflug?!) ablegen muss. Ein Fluglehrer kann den
    Eintrag m.W. durchaus verweigern, wenn ein Pilot nicht in der Lage ist,
    den vorgegebenen Anforderungen zu genügen.

    Alle erinnern sich noch an ihren "ersten Flug".
    Aber es gibt für jeden von uns auch einen "letzten Flug"...   :-/

    BlueSky9

  • Mal eine andere Betrachtungsweise: 

    Jeder kümmert sich erst mal um sich.

    Ich kenne auch einige (wenige)  die deutlich jünger sind und denen man auf Grund der persönlichen Defizite und der Risikobereitschaft, mit denen sie sich auch noch brüsten, den Flugschein abnehmen müsste.  

    Wer nimmt sich heraus zu entscheiden was richtig ist?
    Auto fahren darf der gute Mann doch sich auch.
    Medical z B mit 120 KG nicht nötig. In anderen Ländern auch für UL / LSA nicht.  

    Schenkt dem doch ein Navi mit Platzrundenkarte. 

    Wenn er nicht mehr fliegen darf rast er vielleicht frustriert als Geisterfahrer in den Tod und nimmt noch ein paar Unschuldige mit. Ist hypothetisch möglich , dann ist doch besser er steckt irgend wann mit seinem UL im Acker. 

  • QDM schrieb:
    Schenkt dem doch ein Navi mit Platzrundenkarte.
    Und was machst Du dann wenn Du im Landeanflug bist und Er in Deine Richtung startet oder Dir in der Platzrunde entgegen kommt?

    Ich kann mir denken um wen es hier geht, ich habe da auch schon manches erlebt.

    Wenn es nach mir ginge, bräuchten Autofahrer ab dem 70. Lebensjahr auch eine Art Medical, hier waren innerhalb 2 Tagen insgesamt 3 Geisterfahrer auf der Autobahn unterwegs, alle zwischen 70 u. 85.

  • Dieser Fall hat Ähnlichkeit mit einem in unserem im Verein vor langer Zeit.

    Es handelte sich um ein älteres Mitglied, der sich wirklich viele Verdienste rund um die Fliegerei bei uns erworben hatte.

    Es begann schleichend, wir bemerkten mit den Jahren auch ein deutliches Nachlassen der Fähigkeiten, er selbst merkte davon nichts. Wir hatten große Gewissenskonflikte, niemand wollte offen darüber sprechen, schon gar nicht mit ihm.

    Als es dann so bedenklich geworden war, dass wir einfach nicht mehr zusehen konnten, berieten wir uns mit dem Fliegerarzt. Der hatte Verdacht auf Alzheimer und gab ihm kein Medical mehr. Prompt erhielt er es von einem anderen Fliegerarzt.

    Da fragt man sich dann schon, was manche Ärzte bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes, vor allem des geistigen, für Kriterien ansetzen. Wir intervenierten gemeinsam aus Sorge um die Sicherheit dieses Fliegerfreundes, aber auch aus noch größerer Sorge um jene der Passagiere, welche er immer noch mitnahm.

    Schlussendlich wurde er kurz darauf dann doch endgültig für untauglich befunden, was ihn sehr verzweifeln ließ. Die kurz darauf, nach einer von ihm selbst initiierten Untersuchung, getroffene Diagnose "Alzheimer" war nicht nur für ihn, sondern auch für uns alle fürchterlich. Das tragische daran ist, dass der betroffene Patient selbst häufig keine Wahrnehmung seines geistigen Verfalls hat und daher auch keinerlei Einsicht.

    In unserer langen Vereinsgeschichte war dieser Fall wohl einer der unangenehmsten und traurigsten.

  • Postbote schrieb:
    Und was machst Du dann wenn Du im Landeanflug bist und Er in Deine Richtung startet oder Dir in der Platzrunde entgegen kommt?
    Hatte ich schon mehrmals und die waren wahrscheinlich alle völlig gesund.

    Und was noch schlimmer ist, am Anfang meiner Fliegerkarriere wäre mir es  beinahe auch passiert das ich die falsche Seite sogar in einer CTR angeflogen wäre. Habe den Türmer zweimal bestätigen lassen das ich in den "rechten" Gegenanflug fliegen soll, bis ich gerafft habe das ich da gerade die falsche Pisten-Seite aus dem rechten Winkel angeflogen wäre.

    Hoffe ich kann noch lange den Schein behalten und weiß wann mein letzter Flug gekommen ist  :)  

  • QDM schrieb:
    Hoffe ich kann noch lange den Schein behalten und weiß wann mein letzter Flug gekommen ist  :)
    Und ich hoffe, daß es mich zu entsprechender Zeit ohne Vorwarnung schlagartig trifft. Auf das ich mir über sowas gar keine Gedanken machen muß. Für die Angehörigen zwar hart, wenn einer ohne Vorbereitung geht, aber für einen selber das Beste, was passieren kann.

    Was den Fall hier angeht: Bekommt er denn noch die Fehler, die ihm unterlaufen, mit? Also merkt er nachträglich, daß er einen Fehler gemacht hat und die Landung oder die Navigation vielleicht doch nicht so super war? Steigt er bei anderen Piloten als Passagier zu? Also kann er seine eigenen Flüge noch mit anderen Flügen vergleichen?

    Wenn ich jetzt gemein wäre, würde ich als Passagier über der Norddeutschen Tiefebene mal dem Navi den Saft abdrehen. Mal gucken, was dann passiert. Dazu muß man natürlich als Passagier selber zuverlässig den nächsten Flugplatz oder eben den Heimatflugplatz ansteuern können.

  • Falsche Pistenrichtung hatte ich auch schon, im kurzen Endanflug hat der Tuermer es dann gesehen, ich dann auch... ;) Immerhin ein Platz mit Airlinerverkehr... Peinlich. Und wer meint, dass ihm sowas nicht passieren kann ist bereits auf dem besten Weg dahin, da muss er nicht warten, bis er 80 wird.


    Chris

  • Ach was für Horrormärchen!!

    schrieb:
    Er ist langjähriger UL-Pilot mit eigenem Flugzeug. Vor ein paar Jahren hat der Fliegerarzt ihm das Medical verweigert. Nach einer Zwangspause hat unser alter Fliegerkumpel wohl einen anderen Fliegerarzt gefunden und seitdem ein gültiges Medical.

    Wasnichalles schrieb:
    Als es dann so bedenklich geworden war, dass wir einfach nicht mehr zusehen konnten, berieten wir uns mit dem Fliegerarzt. Der hatte Verdacht auf Alzheimer und gab ihm kein Medical mehr. Prompt erhielt er es von einem anderen Fliegerarzt.
    Diese Berichte gehören in den Bereich der Märchen und Fabeln.
    Der Verlust der Tauglichkeit muss und wird im Rahmen der fliegerärztlichen Untersuchung dem LBA online gemeldet. Bis auf ganz wenige temporäre Untauglichkeitsgründe ist die Wiedererlangung ein gößerer Akt und kann dann vom Fliegerarzt selbst nicht vorgenommen werden sondern läuft über ein AMC
    Der niedergelassen Fliegerarzt kann eine Tauglichkeit, die in den Akten des LBA einmal angekommen ist (s.o.), nicht ein einfach nach persönlichm Gutdünken an- und ausknipsen, wie es ihm gefällt. Auch nützt ein Arztwechsel rein gar nix, weil mit der zur Ausstellung des Dokuments nötigen Online-Meldung, das Medical durch die zentrale Tauglichkeitsdatenbank des LBA verweigert wird.
    BlueSky9 schrieb:
    Der Fluglehrer, bei dem der Kollege seinen 2 Jährigen Überprüfungsflug
    (früher hieß er Übungsflug?!)
    Einen zweijährigen "Überprüfungsflug" hat es nie gegeben und gibt es auch jetzt nicht!!
    Dieser Flug hieß seit seiner Einführung (JAR-FCL 2003) schon immer "Übungsflug". Mit der Machtübernahme der EASA heißt er nun "Auffrischungsschulung". Auch gibt es (im PPL-Bereich) dafür keine festgeschrieben Anforderungen. Der FI muss lediglich einen Bericht über die geflogenen Übungen abgeben. In der Regel genügen da Ab- und Anflug, Stall- und Außenlandeübung, sowie ein paar Steilkurven.

    Postbote schrieb:
    Und was machst Du dann wenn Du im Landeanflug bist und Er in Deine Richtung startet oder Dir in der Platzrunde entgegen kommt?
    Ausweichen??
    Postbote schrieb:
    Wenn es nach mir ginge, bräuchten Autofahrer ab dem 70. Lebensjahr auch eine Art Medical
    Wenn Medical im Straßenverkehr, dann doch wohl für alle.
    Im Gegensatz zum Luftverkehr muss schließlich quasi jeder am Straßenverkehr in irgendeiner Form teilnehmen, also auch die Oma, die sich mitm Rollator über drei Straßen zum Tante-Emma-Laden quält ...

    Aber die Zeit schreitet schnell und über kurz oder lang wird jeder, der sich hier so trefflich echauffiert, vielleicht in einer ähnlichen Lage sein .... und dann für sich selbst natürlich alles völlig anders sehen.


    Michael

  • FlyingDentist schrieb:
    Der Verlust der Tauglichkeit muss und wird im Rahmen der fliegerärztlichen Untersuchung dem LBA online gemeldet. Bis auf ganz wenige temporäre Untauglichkeitsgründe ist die Wiedererlangung ein gößerer Akt und kann dann vom Fliegerarzt selbst nicht vorgenommen werden sondern läuft über ein AMC
    Waere der Gang zu einem Fliegerarzt im benachbarten Ausland eine Moeglichkeit, trotzdem ans Medical zu kommen?


    Chris, heilfroh, nie mehr ein Medical zu brauchen...



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