Anflüge und Landungen total vergeigt

Forum - Unfallprävention
  • Mir (UL-Schüler) am Wochenende selbst passiert und hinterlässt seitdem ein doofes Gefühl:

    Ein weiterer Alleinflug mit Flugauftrag, nachdem mein Fluglehrer und ich den gleichen Platz zuvor mit der C42 gemeinsam angeflogen haben und er mich auf einige Besonderheiten hingewiesen hat, insbesondere nicht zu überfliegende Bereiche in der Platzrunde sowie der versetzte Anflug auf die kurze (ca. 350m) Graspiste 09 aufgrund einer Baumreihe vor der Schwelle. Ich sollte aufgrund der nahezu vorhandenen Windstille mit 30° Klappen und 105 km/h anfliegen und landen. 

    Erster Landeanflug viel zu hoch, also durchstarten. Zweiter Landeanflug zwar nicht zu hoch, aber viel zu schnell, also ewiges Ausschweben und am Bahnende dann wieder durchstarten, war schon irgendwie blöd. Im Querabflug höre ich dann im Funk, wie jemand jemand anderem mitteilt, dass die Bahnrichtung aufgrund des zunehmenden Rückenwindes doch geändert werden sollte, was der Flugleiter auch umgehend tat und mir dann mitteilte, dass ich nun die 27 anfliegen möge. Ich hab angefragt, ob ich im Gegenanflug mit einer Kehre die Flugrichtung ändern kann, was bestätigt wurde. Im Anflug auf die 27, der durch einen Wald und ein Maisfeld noch erschwert wurde, dann wieder der gleiche Mist: Ausschweben ohne Ende, Landung dann erst im letzten Viertel der Bahn mit einer quasi Vollbremsung und Abrollen von der Piste.

    Total blöd: Bei meiner Rückkehr eine knappe Stunde später auf meinen Heimatplatz passiert mir der gleiche Unfug schon wieder. Viel zu hoch, ich komm einfach nicht runter, erst im dritten Anlauf klappt es, obwohl ich doch schon so oft hier sicher gelandet bin. Das waren glaube ich die schlechtesten Anflüge, die ich in meiner kurzen Fliegerschülerlaufbahn durchgeführt habe. Wenigstens wurde niemand verletzt und es ist nix beschädigt worden, außer meinem Selbstbewusstsein. 

    Eigentlich wollte ich noch in diesem Herbst die Prüfung machen. Nach diesem Samstag mit zwei wirklich schlechten Anflügen bin ich jedoch ziemlich frustriert und verstehe einfach nicht, was mir diese Anflüge so sehr versemmelt hat. Seitdem frag ich mich: woran hat's gelegen? Der auflebende und sich drehende Wind? Thermik? Ich selbst mit meinem zu großen Selbstverständnis angesichts eines weiteren Solofluges (toller Hecht, kann schon allein ne C42 in 3.000 ft gerade aus halten und sogar 90° Kurven fliegen...)? Mangelnde Konzentration? Mangelnde Übung, Talentfreiheit, schlechte Landeeinteilung, fehlendes Situationsbewusstsein...? Oder gehört sowas "einfach mit dazu" und beim nächsten Mal wird sicher wieder alles besser?

  • Ich kann nur für mich sprechen: Ich hatte auch solche Tage wo die Landungen alles andere als toll waren. Aber davon sollte man sich nicht entmutigen lassen - im Gegenteil weiter üben!

  • Auffrischender Wind, Thermik, könnte alles sein. Das musst Du im Flug beobachten: auf welchen Punkt schwebt das Flugzeug zu? Schwebt es auf einmal viel weiter als sonst und sieht die Geschwindigkeit über Grund dabei irgendwie anders aus? => Rückenwind. Hängt das Vario trotz Leerlauf und Klappen ungewöhnlich nah bei Null und das Horizontbild ist bei gleicher Fahrt anders als in ruhiger Luft? => Thermik.

    Bis das Gefühl mit dem Anflugpunkt bei allen Wetterlagen passt, braucht es einfach einiges an Übung und die kriegst Du durch genau solche Situationen. Solange Du locker bleibst und es einfach nochmal (und ggf. nochmal) probierst statt gleich mit Raketen um Dich zu schießen ist alles ok. Da musst Du durch :-)

    Liest sich jedenfalls alles ganz normal. Keine Panik.

  • Moin

    ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten: selbst nach 250h vergeigt man irgendetwas.

    Ich kenne dich leider nicht, deshalb hier meine subjektive Meinung:

    1.) Wo ist das Problem? Prinzipiell hast du die Situation erkannt und richtig gehandelt anstatt die Landung zu erzwingen. Es braucht schlicht und ergreifend einiges an Routine,um aus einem weniger gelungenem Anflug eine saubere Landung zu machen. Und glaube mir, solche Anflüge kommen immer wieder. Gerade der Umgang mit außergewöhnlichen Situationen ist entscheidend

    2.) Vielleicht ging bisher alles wirklich, so wie du es geschildert hast, zu "glatt". Manchmal ist halt der Wurm drin und da hilft nur, sauber zu "arbeiten"

    3.) Diese Momente hat so ziemlich jeder, v.a. kurz vor der Prüfung. Da reagiert man schnell mit Zweifeln, weil vorher doch alles schon so gut ging. Da half mir nur fliegen.

    Nicht bange werden, das wird schon. Übrigens: reflektieren ist gut, aber bitte auch nicht über analysieren. Du wirst sicherlich schon öfters solche Tage gehabt haben, wo nicht alles glatt ging, nun auch beim Fliegen. 

    Kopf hoch,  viel Erfolg und immer sichere Landungen

    Gruß,

    Arwed

  • Ich kann mich Arwed nur anschließen.

    Das Wichtigste hast Du offensichtlich bereits 'drauf. Wenn es nicht passt durchstarten- keine Landung ohne Not erzwingen.

    Und wenn der Platz für Dich nicht geht, dann nimm die Alternate.

    Der Rest kommt mit der Zeit. 

    Wichtig wäre für mich bei so einem Gefühl keine zu lange Pause machen, sonst brennt das Gefühl sich ein

    Just my 2 Cents
    Toto

  • Vielleicht lag es auch einfach daran, das du ohne FI eben um einiges leichter bist, als zu zweit in der Kiste ;) 

  • Das stimmt alles von meinen "Vorpostern", noch eine kleine Ergänzung:

    Für eine gute Landung ist ein langes Endteil hilfreich, geringere seitliche Korrekturen (falls man zu früh oder zu spät eingekurvt hat), man hat länger Zeit für das Einstellen des richtigen Gleitwegs, das Ausgleichen von Seitenwind und für das Einstellen der Anfluggeschwindigkeit.

    Ansonsten nicht ins Bockshorn jagen lassen.

    Neulich bin ich in Weimar gelandet (09), leicht abschüssige schmale Asphaltpiste, die auch noch gut thermisch getragen hat, bei leichtem Seitenwind und Null-Sicht nach vorne (Doppeldecker) ... da bin ich schon deutlich eleganter gelandet :)

    Da nützt dann auch ein langer Anflug nichts ...

    Gruß Biggles

  • Total normal. Echt, ist so :-)

  • Moin,

    Landungen sind Einzelereignisse, unter jeweis sehr unterschiedlichen Umständen. Dass Du vorher gute Landungen hingelegt hast, heisst garnichts, wenn diese unter ähnlichen Bedingungen zustande kamen. Besonders, wenn sie  in Folge gemacht wurden. Deine selbstlernende Anpassung an die Feinsensorik lässt Dich gute Landungen machen - unter eben diesen Bedingungen. Ändern sich die Bedingungen und Du hast noch nicht ausreichend Erfahrung auf die Du zurückgreifen kannst, dann kommt es zu einem neuen Lernprozess. Jetzt ist Verwirrung erst einmal völlig normal, so lernen wir halt. Mit dieser Verwirrung kommt es auch bei den Nachfolgelandungen zu Problemen, denn wie soll sich das gerade gelernte Feinverhalten bei wiederum veränderten BEdingungen verhalten?

    Was war nach Deinen Schilderungen passiert? Du hast eventuell Rückenwind bekommen, dazu eine leichtere Maschine ohne den Fluglehrer. Und eventuell noch Thermik dazu. Dann bekommt man mit einem normalen Anflug keine Maschine auf den Boden. Manchmal hilft dann nur ein vorsichtiger Slip (Vorsicht , die Bedingungen wie Thermin ändern sich schnell und schlagen in das Gegenteil um) Das hast Du gemerkt und richtig reagiert. Aber die Lernkurve ist nicht so schnell zu Beginn des Fliegerlebens als dass zwei Anflüge unter diesen Bedingungen reichen.

    Was wäre  besser gewesen? Dass Dich Dein Fluglehrer beiseite nimmt, Dir die BEdingungen erklärt und das Verhalten der Maschine und wie Du gegensteuern kannst. Und Dich dann noch 3 weitere Anflüge machen lässt wenn er genug Vertrauen hat. Sonst macht er Dir die Landung vor und Du machst die Anflüge unter Aufsicht bis sie sitzen.

    Die nächste Landung ist dann wahrscheinlich wieder suboptimal, weil die BEdingungen sich wieder geändert haben und Dein neues Verhalten wieder nicht passt. Aber das Gefühl kommt sehr schnell zurück. Nur nicht nachlassen und gleich üben, nicht mit soo einem Ergebnis nach Hause fahren und nach Gründen suchen.

    Dafür ist der Fluglehrer da. Hier klingt es so, als hätte er Dich im Stich gelassen und eine gute Chance zu lehren verpasst. Vielleicht kann er es aber auch nicht besser. Es gibt wenig gute Piloten und von denen kann nicht jeder sein Wissen gut vermitteln. Eine echte Engstelle.

    Also haben alle fast richtige Tipps gegeben.

    Gerd

  • Ich hab ja noch nie eine C42 aus der Nähe gesehen aber mit 105 km/h mit Klappen auf einer, na gut lassen wir es mal stehen, relativ kurzen Piste landen... Ist das normal?? Bei Windstille? Finde ich verdammt schnell... 

    Gruss Stephan

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