Das hier ging gestern durch die Gleitschirm-Community: https://www.instagram.com/p/DYtmlD-svEl/
Im Pinzgau, westlich von Zell am See ist eine Cessna 182 (Pilot 28 Jahre, auf Sightseing) in einen Gleitschirm (Pilotin 44 Jahre) geflogen. Die Gleitschirmpilotin (und vermutlich auch der Pilot des Flugzeugs) hatte unendliches Glück gehabt, weil das Flugzeug sie nur in der Kappe (nicht in den Stammleinen) getroffen hatte und die Leinen komplett gerissen waren, und sie rechtzeitig ihr Rettungsgerät werfen konnte, und mit nur leichten Blessuren gelandet ist. Im Bereich der (dickeren) Stammleinen hätte das schon anders ausgesehen).
Der Perspektive des Videos nach war sie gerade am Aufdrehen bei den vorgelagerten Rippen südlich des Startplatzes Schmittenhöhe, etwas oberhalb des Grats/Waldgrenze auf ca. 2000m. Das Flugzeug ist relativ knapp über den Grat geflogen, wenn ich es richtig inerpretiere keine 500m neben dem Gleitschirmstartplatz. Das Pinzgau mit dem "Pinzgauer Spaziergang" ist ein sehr beliebtes Streckenflugrevier. Bei der Schmittenhöhe gibt es eine Prozedur um Gleitschirmflugbetrieb vom Motor- und Segelflug zu trennen, der Gleitschirm war (naturgemäß weil bei Aufdrehen) am Berg unterwegs, nicht im Einflugbereich des Flugplatzes: https://www.burnair.cloud/?layers=%2Cant%2Ctw%2Csw%2Cth&visibility=%2Cauto%2Con%2Cauto%2Cauto#13/47.3030/12.7273
https://www.ikarus-pinzgau.at/fluggebiet/schmitten
VFR bedeutet aus dem Fenster schauen. Ein Gleitschirm ist 10 bis 15m breit und in der Regel kunterbunt, unten hängt noch ein Pilot dran, meistens bunt oder schwarz, im Liegeurtzeug zumindest von der Seite sogar mit mehr Querschnitt als im Sitzgurtzeug. Wir Gleitschirmpiloten haben im VFR-Verkehr vorrang, einfach aus dem Grund weil wir uns mit stolzen 30 km/h fortbewegen, und nur eingeschränkt ausweichen können (sprich: keine Chance haben, auszuweichen). Untereinander haben drehende Piloten nochmals vorrang gegenüber anderen Piloten. Zwar haben die neuesten, hochwertigen Varios (letztlich Glass Cockpits im Handyformat) FLARM installiert, aber nicht jeder Pilot hat FLARM. Manche fliegen einfach (vollkommen legal) mit dem Höhenmesser in der Sportuhr. Ich selber habe FLARM, weil zumindest die meisten Hubschrauber in den Alpen, sowie Segelflieger FLARM installiert haben, und mich dann noch weiter sehen. Unsere geringe Geschwindigkeit ist dahingehend ein Vorteil, dass wir für Motorflieger nahezu stationär erscheinen und leichter zu erkennen sind und eben nicht aus dem Nichts auftauchen.
Das hier war wirklich in der Hausthermik eines der beliebtesten Fluggebiete, an einem bombigen Thermiktag gewesen. Aber es gibt auch Gleitschirmflieger bei Schmuddelwetter (so lange es nicht aktiv regnet) und Gleitschirmflieger im Flachland. Gerade bei Thermikbedingungen kann eigentlich im gesamten Luftraum G und E immer ein Gleitschirm zu finden sein. An einem guten Thermiktag kann man sowohl in den Bergen als auch im Flachland (!) mit mehr oder weniger viel Glück und Geschick auf locker 2000m AGL aufdrehen (bis zur Wolkenbasis) und einige 10 bis 100 km zurück legen. Und überall anders als in Deutschland können wir auch außerhalb ausgewiesener Startplätze (welche auch nicht alle in den ICAO Karten sind) starten; bei Streckenflug ohnehin auch Außenlandungen machen.
Am konkreten Platz ist mir ziemlich unklar, wieso es zwar für Paragleiter eine vorgeschriebene Separierungsprozedur gibt (die hier eingehalten wurde), aber nicht für den Motorflugbetrieb. Der Startplatz ist noch nicht mal in der Anflugkarte vermerkt. Ebenso ist mir unklar, wieso ein VFR-Pilot die drehende (!) Gleitschirmpilotin nicht gesehen hatte. Auch ist mir unklar, wieso der Motorpilot seinen Anflug quer über den Grat gewählt hatte.