Unfallbericht in eigener Sache - Totalschaden aber überlebt

Forum - Unfallprävention
  • fliegerrudi schrieb:
    Was mich interessiert: Wie hattes Du es organisiert, die beschädigte Maschine abzutransportieren. Schließlich lagst du bestimmt in Krankenhaus. Diese Frage treibt mich um, wenn ich nur daran denke, mit einem größeren Schaden liegen zu bleiben.
    Die Bergung von der Piste hat der Flugplatz organisiert. Ich hatte in einem anderen Thread ja davon berichtet: Die haben den Hobel mit einem Schwerlastkran (!) nur ein paar Meter auf die Seite gerückt - das wurde dann natürlich sofort vierstellig.

    Da ich Vollkasko hatte, hat alles weitere die Versicherung bzw. deren Gutachter organisiert, auch die Bergung, das heißt Abtransport vom Platz. Der Hobel wurde für Restwert verkauft, ich habe den Betrag bekommen und von der Versicherung am Ende den Versicherungsbetrag minus Restwert.

    Finanziell hatte ich daher keinen Schaden. Einerseits ganz nett, andererseits völlig irrelevant angesichts dessen, was mir oder meinem Sohn hätte passieren könne. Dass ich das ohne bleibende Schäden überstanden habe, ist eigentlich gegen jede Wahrscheinlichkeit, sagt zumindest mein Orthopäde...

  • Hi Nordseepilot,

    der Abtransport ging ja dann problemlos.

    So konntest du dich voll und ganz auf deine Genesung konzentrieren.

    Rüdiger

  • Nordseepilot schrieb:
    Finanziell hatte ich daher keinen Schaden. Einerseits ganz nett, andererseits völlig irrelevant angesichts dessen, was mir oder meinem Sohn hätte passieren könne.
    Das seh ich auch so,....bin überrascht, dass das finanziell ausgegangen ist. Aber ist doch gut, am Ende wünsche ich dir eine vollständige Genesung.

    Wollte ihr beiden dann später wieder fliegen?

  • francop schrieb:
    Wollte ihr beiden dann später wieder fliegen?
    Jetzt mache ich erst einmal eine ausgedehnte Weltreise – die Kohle von der Versicherung muss ja wieder raus ;-)

    Dann ist der Plan irgendwann im Frühjahr zunächst einmal 1-2h mit Fluglehrer zu fliegen. Und je nachdem wie sich das anfühlt, werde ich danach weitermachen oder nicht.

    Ein fast tödlicher Unfall führt natürlich noch einmal zu einer neuen Risikobewertung. Ich denke, ich war schon immer recht realistisch was die Bewertung des Risikos angeht. Zum Beispiel bin ich nur ganz selten mit meiner Frau geflogen – das Risiko im Extremfall zwei minderjährige Kinder zurück zu lassen, war mir einfach zu hoch (mittlerweile sind beide Volljährig).

    Aber nach diesem Unfall schätze ich das Risiko nochmals deutlich höher ein als vorher. In diese Bewertung geht aber nicht nur der Unfall ein, sondern auch Erfahrungen im eigenen Umfeld. Meine Homebase ist seit 4 Jahren Marl. In diesen 4 Jahren hat es in jedem Jahr Tote gegeben (E und M). Und das bei gerade einmal 140 Maschinen am Platz, von denen schätzungsweise nur die Hälfte regelmäßig bewegt wird. Auch am Nachbarplatz Schwarze Heide sieht es leider nicht besser aus. Und es waren bislang immer recht erfahrene Piloten, die tödlich verunfallt sind. 2020 zum Beispiel hat es meinen Hangarnachbarn erwischt. Der ist zusammen mit seinem Vater in Wesel in ein Wohnhaus gecrasht: 3 Tote…

    Es wird ja häufig gesagt, Fliegen sei in etwa so gefährlich wie Motorrad fahren. Aufgrund eigener Erfahrung und der Beobachtung in meinem Umfeld schätze ich das Risiko mittlerweile deutlich höher ein.

    Das heißt nicht, dass ich nicht mehr fliege. Das heißt nur, dass ich falls ich wieder fliege mir des Risikos dabei ums Leben zu kommen voll bewusst bin…

  • Nordseepilot schrieb:
    Es wird ja häufig gesagt, Fliegen sei in etwa so gefährlich wie Motorrad fahren. Aufgrund eigener Erfahrung und der Beobachtung in meinem Umfeld schätze ich das Risiko mittlerweile deutlich höher ein.
    Ein wesentlicher Unterschied ist dabei, dass ich beim Fliegen das Risiko zum größten Teil selbst gestalte, während beim Motorrad jede Menge andere Leute da mitspielen.

    Und so kenne ich zwar einige Leute, die schwere oder gar tödliche Unfälle mit beidem hatten. Beim Fliegen ist eigentlich keiner dabei, bei dem es allein durch äussere Umstände oder Fehler anderer geschehen ist.

    Und versteht mich bitte nicht falsch: ich möchte neimals behaupten, dass ich nicht Dinge tue die man mir später als ursächlich in einen Unfallbericht schreiben könnte, aber daher versuche ich auch regelmäßig mit Gegenkontrolle durch andere Personen zu fliegen und wir trainieren uns im Team gegenseitig und nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn uns was auffällt.

  • Fliegen ist gefährlich, auf jeden Fall! 

    Das einzige Mal, dass ich einen mir vorher bekannten Piloten verloren habe war der Unfall beim Forumstreffen in Höxter. Sonst noch niemanden in meinen knapp 25 Jahren Fliegerei. Aber ja, jeder Flug kann mein letzter sein.


    Chris

  • Nordseepilot schrieb:
    Es wird ja häufig gesagt, Fliegen sei in etwa so gefährlich wie Motorrad fahren. Aufgrund eigener Erfahrung und der Beobachtung in meinem Umfeld schätze ich das Risiko mittlerweile deutlich höher ein.
    Als ich noch in den Bergen gewohnt hatte, war im Schnitt 1x im Jahr am Wochenende die Straße (vor mir, nicht irgendeine in der Gegend, das jedes WE) gesperrt, mit Motorrad und Rettungshubschrauber. Einmal ein Motorrad und ein paar Kilometer weiter eine Rennradfahrerin.

    Beim Thema Risikobetrachtung halte ich es ganz nüchtern. Die Statistiken sind bekannt. Dann kann sich jeder ausrechnen, alle wie viel Jahre es ihn statistisch trifft (kann man natürlich durchaus beeinflussen, ich glaube ca. die Hälfte aller Unfälle bei allen Sportarten passieren durch vermeidbaren Leichtsinn), was die zu erwartende "normale" Lebensdauer ist und ob ihm das Risiko wert ist, d.h. welchen Anteil an der allgemeinen Lebensqualität ein Sport hat. Trotzdem sind solche Erfahrungen ganz heilsam, wenn man sich mal wieder der Gefahren bewusst wird und aufmerksamer/vorsichtiger wird.

  • Moin,

    schön, dass Dein Unfall so relativ glimpflich ausgegangen ist. Ihr lebt und die Versicherung hat den Schaden übernommen.

    Ich fliege ebenfalls eine Sting S4, deshalb hier meine Anmerkungen:

    die Sting schwebt relativ lange. Und sie neigt dazu bei zu hoher Aufsetzgeschwindigkeit zu springen. Wenn das mit einem Buckel auf der Bahn zusammentrifft, dann haut es einen richtig hoch und es hilft nur noch durchzustarten. 

    Ist die Bahn lang genug, dann kann ein kurzer Gasstoß die Sting beruhigen. Das führt dann zwar zu einer lange Landung, denn jetzt schwebt sie wieder entsprechend. Zu Beginn war ich sehr überrascht, wie sehr so ein kurzer Gasstoß (nur halbgas für eine halbe Sekunde) auf die Sting wirkt. Aber das gilt nur für ausreichend lange Bahnen.

    Konstanz kenne ich und kann die holprige Bahn bestätigen. Ich fliege viel und gerne lange Strecken und habe immer wieder bemerkt, dass lange fliegen nicht bedeutet gut zu landen. Ganz im Gegenteil. Ich hab mich darauf eingestellt und übe Landungen immer wieder. Ein zweiter Gefahrenpunkt ist mangelnde Konzentration, nicht unüblich nach 3 oder 4 Stunden Flug, zusätzlich vielleicht noch die Freude anzukommen und visuelle Reize (Anflug über eine Stadt, wie in Konstanz, oder schöne Landschaft etc) die ablenken. Also keine Gespräche mehr im Cockpit und Checkliste laut herbeten.

    Mir ist das Mißgeschick des Wegspringens zu Beginn auch ab und zu auf Graspisten passiert. Seitdem ich etwas geändert habe ist das kaum mehr vorgekommen oder aber beherrschbar.

    Deine Schilderung ist eine weitere Mahnung hier wachsam zu bleiben. Und fremde Zielplätze gut vorzubereiten. Und immer bei den Nummern aufzusetzen damit die ganze Runway zur Verfügung steht. Landungen sind der gefährlichste Teil unserer Flüge und es gibt keine Routine. Jede Landung ist anders. Und Speed heißt Leben. Auch wenn die Maschine dann aufmerksamer geflogen werden muß. Deshalb würde ich nie langsam anfliegen, sondern nur gezielt ausflaren.

    Danke für den Bericht.

    Gerd

  • Moin,

    da muss ich kurz reingrätschen: die korrekte Speed heißt leben. Die Mehrheit fliegt zum Teil viel zu schnell an mit entsprechenden Konsequenzen für Material und Kontrollierbarkeit der Landung. 1.3x Vs des Landegewichtes wäre bei 65km/h Stallspeed 84km/h. Wer mit 100km/h ( plus x ) anfliegt hat ein deutlich höheres Risiko für einen Landeunfall. Das relativ geringe Gewicht der ULs auf Pisten für E-Klasse-Flieger kaschiert viel, vor allem bei der Landedistanz. Aber das ewige Aushungern über der Bahn, vielleicht noch bei böigem Wind hat nicht viel mit kontrollierter Landung zu tun.

    Mooneys z.B. gelten als schwierig beim landen, sind es aber nur, wenn man zu schnell anfliegt. Mit der korrekten Speed setzt sich der Hobel reproduzierbar kinderleicht hin.

    Ist bei Airbus, Boeing und Co genauso. Die korrekte Speed ist essenziell für eine sichere Landung und die stabile Kontrolle der Speed die wichtigste Fähigkeit des Piloten. 

    Bei Segelfliegern und Piloten, die häufig auf kurzen Pisten landen ist die Speedkontrolle deutlich stringenter ausgeprägt.

    Sorry für den kurzen subjektiven Exkurs,

    Raller

    P. S. Frohes Fest und Alles Gute für 2024!

  • raller schrieb:
    da muss ich kurz reingrätschen: die korrekte Speed heißt leben. Die Mehrheit fliegt zum Teil viel zu schnell an mit entsprechenden Konsequenzen für Material und Kontrollierbarkeit der Landung. 1.3x Vs des Landegewichtes wäre bei 65km/h Stallspeed 84km/h. Wer mit 100km/h ( plus x ) anfliegt hat ein deutlich höheres Risiko für einen Landeunfall. Das relativ geringe Gewicht der ULs auf Pisten für E-Klasse-Flieger kaschiert viel, vor allem bei der Landedistanz. Aber das ewige Aushungern über der Bahn, vielleicht noch bei böigem Wind hat nicht viel mit kontrollierter Landung zu tun.
    sollen wir jetzt alle den Böen-Aufschlag weglassen?  Kannst du gerne machen, ich bestimmt nicht. 

    Können wir uns drauf einigen? die Piste in Konstanz ist einfach in einem miserablen Zustand.

    -airfool

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