Nehme den Absturz der JU 52 in der Schweiz zum Anlass, um hier über das Thema "Fliegen im Hochgebirge" zu schreiben.
Unabhängig davon, was die Untersuchung dieses schlimmen Unfalls in der Schweiz ergeben wird, möchte ich als erfahrener Gebirgsflieger (jahrzehnte Strecken-Segelflug und Motorflug in den Alpen) all jenen, welchen die Fliegerei in den hohen Bergen nicht so geläufig ist, Tipps geben.
Zuerst mal kurz zu den Presseberichten, in denen es immer wieder um "sehr erfahrende Piloten" geht: Es besteht ein gravierender Unterschied zwischen einem ehemaligen Jet- bzw. Airliner-Piloten mit tausenden Flugstunden im Flugbuch, welcher dann am Steuer eines so langsamen, nicht gerade übermotorisierten Oldtimers in den Bergen herumfliegt und einem Piloten, der mit Segelflugzeugen tausende Stunden in den Bergen Erfahrung sammeln konnte. Dies nur zum Nachdenken.
Die wichtigste Grundregel: niemals auf einen Gebirgskamm geradeaus zufliegen, um ihn zu überqueren, es sei denn, man befindet sich mehrere hundert Meter höher. Die Windverhältnisse in den Bergen sind nicht selten äußerst unberechenbar. Wenn es passiert, dass man beim Annähern an den zu überquerenden Bereich in einen kräftigen Abwind gerät, hat man bei parallel zum Gebirgskamm verlaufendem Anflug die beste Chance, talwärts problemlos wegzukurven.
Der Steigflug in ein ansteigendes, enger werdendes Tal muss immer mit reichlich Höhenreserve angesetzt werden. Es gab immer wieder schwere Unfälle, weil das Flugzeug vor dem Tal-Ende in einen Abwind geriet und der Pilot dort dann versuchte, eine Umkehrkurve zu steuern. Diese ist dann sehr heikel zu fliegen (vielleicht unmöglich) und wer sie nicht perfekt beherrscht, wird verunglücken.
In diesem Zusammenhang erinnere ich an eine Diskussion hier, wo es um grenzwertige Situationen ging (beherrschen des Flugzeuges bei Strömungsabriss). Gerade im oben geschilderten Fall ist es mehr als wichtig, dass man niemals den Fehler begeht, den Kurvenradius durch Seitenruderunterstützung in Kurvenrichtung zu reduzieren!
Diese Diskussion wäre natürlich interessanter, wenn auch andere "Gebirgsflieger" aus ihrem Erfahrungsschatz berichten.
