Mahlzeit, zur abendlichen Entspannung hier mein Reisebericht nach Rochester
Rochester? England? Warum England? Weil's DIE Herausforderung ist.
Irgendwie bin ich mit dem Gedanken, einmal nach England zu fliegen, schon mehr als ein Jahr schwanger gegangen. Letztes Jahr ist es dann sprichwörtlich ins Wasser gefallen, das Wetter war so schlecht, keine 2-3 Tage am Stück mal annähernd schön.
Dieses Jahr sollte es dann besser laufen. Und wenn man die Pläne schon so lange in der Tasche hat, muss man es auch irgendwann einmal durchziehen. Das sollte dann letzte Woche sein.
Nach dem ersten Tankstopp in Aachen ging's über die Grenze nach Belgien. Belgien? Das Land mit den komplizierten Lufträumen? Ja, stimmt, Aber: Alles machbar. Unter der Woche sind halt die militärischen Lufträume aktiv. Tatsächlich kamen auch mal zwei Militärjets vorbei, aber genauso schnell wie sie kamen, waren sie auch wieder weg. Wenn man schön unter 1500 ft. und innerhalb seiner Korridore bleibt, kommt man auch werktags gut durch Belgien. Dann die erste Landung in Amougies (EBAM), südlich von Kortrijk. Kortrijk sieht fremde UL's nicht so gerne, deshalb hatte ich mir Amougies ausgesucht. Scheint als Flugplatz ein ‚Geheimtip‘ zu sein, auch wenn dieser Begriff so fürchterlich inflationär verwendet wird. Ein reiner UL Platz, perfekte Grasbahn, kleines aber feines Restaurant direkt am Platz, Mogas verfügbar. Was will man mehr?

Leider kam dann schlechtes Wetter viel früher nach Norden, als vorhergesagt. Ein paar hübsche Gewitterzellen hatten sich über dem Kanal breit gemacht und machten meinen Plan für die Kanalüberquerung für diesen Tag zunichte. Also Plan geändert, man muss flexibel bleiben. Weiter ging's nach Oostende (EBOS). Verkehrsflughafen mit allem Schnickschnack. Nur ohne Flugzeuge, so meint man. Spaß beiseite, dort starten nur ein paar wenige Ferienflieger und viel zu wenige Frachtflieger. Dafür alle Mitarbeiter unglaublich freundlich und hilfsbereit. Am Terminal fahren übrigens alle 10 Minuten Busse in die Innenstadt von Oostende, alles sehr praktisch.

Am nächsten Morgen sollte es dann endlich nach England gehen. Auf dem Weg zum Rollhalt fragte uns der Türmer (offensichtlich nach einem Blick auf unseren Flugplan), warum wir denn so einen großen Bogen um Koksijde (Westlich von Oostende) machen wollten. Ich antwortete, wegen dem Militärflughafen. Antwort: es ist Wochenende, da ist ein Überflug problemlos möglich. Er würde uns empfehlen, doch einfach entlang der Küste Richtung Calais zu fliegen. Super Idee, der Tag fing gut an! Einfach wunderschön entlang der belgischen Küste geflogen, noch kurz bei Koksijde gemeldet und alles war gut!
Dann endlich der Überflug von Calais nach Dover! Wetter war ein Traum und der Flug einfach nur ein Genuß. Fairerweise muss man sagen, daß man schon von Calais aus die ‚White Cliffs of Dover‘ sehen kann. Für die Psychologie ist das sehr gut, das Ziel schon vor Augen zu haben.

Sich bei ‚London Information‘ zu melden, ist dann so eine Sache. ‚Request basic service‘ sagt eigentlich schon aus, daß man nichts erwarten sollte. Und das bekommt man dann auch. Aber egal, man hat sich gemeldet, die haben einen auf dem Radar, alles gut. Dass man von der englischen FIS schon 20 Minuten vor Erreichen des Ziels gebeten wird, die Frequenz zu verlassen um sich bei Rochester zu melden, fand ich dann auch ungewöhnlich.
Unser Ziel hieß Rochester (EGTO). Der Flugplatz ist einfach super zu erreichen. Die Stadt selbst ist ein nettes, kleines typisch englisches Städtchen, selbstverständlich mit Castle und Cathedral. Und: ab Rochester fahren regelmäßig Züge direkt nach London. In weniger als einer Stunde ist man sehr bequem in London Victoria Station, also ‚mittendrin‘. Ich bin zuletzt vor dreißig Jahren in England Zug gefahren und ich muss sagen, die Züge, Verbindungen und Service sind nicht mehr wieder zu erkennen.

Der Flugplatz Rochester bietet neben 2 Landebahnen (die mich irgendwie an ein X-Chromosom erinnern) eine Tankmöglichkeit für UL91 und ein kleines Flugplatzcafe (mit typisch englischem Essen, welches der Durchschnitts-Deutsche nur mit ausreichend Magenlikör genießen kann, aber sorry: ich finde es einfach klasse!). Zwei Hotels sind quasi direkt neben dem Platz.

Rückflug dann wieder mit Tankstop in Amougies, zurück durch Belgien. Aber Achtung: zwar ist am Wochenende das Militär und somit die EDR's nicht aktiv, dafür ist DEUTLICH mehr Verkehr im Luftraum von Belgien unterwegs.
Leider ist das lange Wochenende schon wieder vorbei. Jetzt suche ich nach der nächsten Herausforderung. Wenn doch so eine C42 ein kleines bisschen mehr Langstrecken-Komfort hätte…
Anmerkungen:
Bei der Flugplanung für England bitte bedenken:
a) Flugplan (nichts außergewöhnliches)
b) General Aviation Report aufgeben (geht z.B. über SkyDemon, soll man 4h vor Abflug aufgeben)
c) ein UL muss eine englische Genehmigung zum Durchflug des englischen Luftraumes haben (zu beantragen bei der CAA Civial Aviation Authority (Application for foreign registered aircraft– exemption to fly without a certificate of airworthiness and/or registration)
d) Verzollung: habe ich in Oostende gemacht, war sehr kompliziert:
Zöllner: Haben Sie etwas zu verzollen?
Ich: Nein
Zöllner: Gut, tschüss.
Wer meine Meinung zu b)+c) haben möchte, kann mir gerne ein PN schreiben :-)
Landeziele:
Auf Grund meiner bescheidenen Erfahrung kann ich Amougies in Belgien und Rochester in England empfehlen, beides Plätze an denen man sehr herzlich aufgenommen wird.
Dankesagen
Bedanken möchte ich mich auch bei Mitforisten, die mir bei der Vorbereitung geholfen haben! Das Forum hilft !
Ich wünsche allen noch einen schönen Restsommer und allzeit happy landings.
Ingo