Nach der Vorflugkontrolle sitzen wir in der Maschine und ich gehe die Checkliste zum Motoranlassen durch. Und da passiert es - oder besser es passiert nicht: der treue Rotax lässt mich zum ersten mal im Stich!
Zuerst springt er gar nicht an. Das war mir schon neu. Die Maschinen der Flugschule, von der ich chartere, werden viel geflogen und gut gewartet. Bislang sind die mir bekannten Rotaxe immer sofort und mit dem wohl charakteristischen "Schlag" angesprungen. Heute drehte der Anlasser und nichts passierte.
Beim dritten oder vierten Versuch kommt er dann endlich, aber nicht schlagartig sondern ganz zögerlich. Ich lasse ihn also erst mal einen Augenblick laufen um zu sehen, ob er nur abgesoffen war und einen Augenblick braucht im rund zu laufen. Nach einer Minute oder so läuft er auch tatsächlich besser und Temperatur und Öldruck sind im normalen Bereich. Aber der Motor klingt mir nicht so ganz richtig. Bilde ich mir das nur ein?
Und nun sass ich da. Solle ich mit dem Motor jetzt fliegen oder nicht? Ich habe meinen Schein noch nicht lange und mir fehlt die Erfahrung um sagen zu können, ob das noch im normalen Bereich war. Aber die kleine Stimme im Hinterkopf meldete sich mit "wenn du nicht sicher bist, dann lass es!"
Auf der anderen Seite sass ich da mit meinem Kumpel, dem ich ja zeigen wollte, was für ein toller Pilot ich bin :-)
Und dann hat der Tower mir die Entscheidung leicht gemacht. Noch bevor ich mich anmelden konnte, wurde ich nämlich gerufen mit dem Hinweis, dass von da oben mein Motor gar nicht gut klingen würde. Das hat mir dann gereicht und wir sind am Boden geblieben.
Was habe ich daraus gelernt? "Im Zweifel - nie!" ist ganz schön leicht gesagt und nicht ganz so leicht getan. Der Impuls "wird schon gut gehen" ist da, besonders wenn man nicht alleine im Flieger ist. Einen Flug dann abzusagen, besonders wenn man sich schon lange darauf gefreut hat, ist nicht ganz ohne!
Tilbo